Klosterneuburg - Augustiner Chorherren-Stift, Schleiermonstranz
(1711 bis 1714)


Matthias Steinl (*~1644, †1727)

Stiftsmuseum

Die so genannte Schleiermonstranz des Stiftes Klosterneuburg ist nicht nur eine der schönsten barocken Monstranzen, sondern gehört auch zu den "Landesreliquien" Niederösterreichs. Sie wurde anlässlich des 600-Jahr-Jubiläums der Gründung Klosterneuburgs (1114) im Auftrag des Stiftes in den Jahren 1711 bis 1714 angefertigt. Sie stellt die Gründungssage dar, wonach Markgraf Leopold III. der Heilige auf der Jagd den etliche Jahre zuvor vom Wind verwehten Schleier seiner Gemahlin Agnes in den Zweigen eines Holunderbaumes wiederfand und dies als Zeichen Gottes deutete, an dieser Stelle ein Gotteshaus zu bauen. Die Monstranz selbst ist der Holunderbaum, dessen Stamm den Hostienbehälter umschließt. Die Blütendolden des Holunders sind aus kleinen Perlen gebildet. In den Zweigen oberhalb des Hostienbehälters hat sich der von Engelsputten gehaltene und an der Schmalseite von kostbarer Spitze eingefasste Schleier verfangen. Dargestellt ist der Markgraf beim Fund des Schleiers, die Gottesmutter, die ihm befiehlt, hier ein Kloster zu bauen und darüber der dreifaltige Gott: Gott Vater mit der Weltkugel, der Hl. Geist in Gestalt der Taube und Gott Sohn real in Gestalt der konsekrierten Hostie.

Die Monstranz wurde von dem kaiserlichen Kammergoldschmied Johann Baptist Känischbauer von Hohenried nach dem Entwurf Matthias Steinls ausgeführt. Bei der Ausführung wurde fast doppelt soviel Silber und Edelsteine gebraucht, als ursprünglich vorgesehen, weshalb das Stift dem Goldschmied 1166 Gulden statt der vereinbarten 750 Gulden zahlte. Die Materialien stellte teilweise das Stift selbst bei, teilweise wurden sie um 2448 Gulden angekauft. Die mit einem Strahlenkranz umgebene Monstranz besteht aus Silber und ist mit Ausnahme des Schleiers vergoldet. Echt sind alle Diamanten, Smaragde, Perlen und kleinere Steine. Die großen roten und blauen Steine sind aus Bergkristall und mit farbiger Folie unterlegt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde unter Propst Gottfried von Roleman (1766-1772) die Lunula aus Brillanten und Smaragden um einen geschnittenen Stein (Amethyst?) hinzugefügt.

(Quelle: Der heilige Leopold - Landesfürst und Staatssymbol, Katalog des NÖ Landesmuseums, Neue Folge Nr. 155, 1985, S. 391ff.)

www.stift-klosterneuburg.at