Die Platte wurde 1894 im Zuge der Neupflasterung des Kreuzgangs im Ostflügel gehoben. Mit dem Relief dem Boden zugewandt, diente die Rückseite in Sekundärverwendung als Grabplatte, deren glatte Oberfläche Reste einer Inschrift trägt, entzifferbar sind die Worte DE TREVN. Damit ist vermutlich der steirische Ministeriale und Landmarschall Berthold von Treun gemeint, der nach Leistung großzügiger Stiftungen im Stift begraben werden wollte. Er starb nach 1254, sein Testament hat sich in Heiligenkreuz erhalten.
Das Relief ist von einem breiten, glatten Rahmen umgeben. Es zeigt eine auf einem Fabeltier (Drachen?) stehende männliche Figur, die von einem konkav gewölbten, im Bereich des Kopfes dreiviertelkreisförmig geschlossenen Reliefgrund hinterfangen wird. Das Haupt des Mannes ist bedeckt, unter dem Untergewand trägt er einen im Brustbereich mit einer dekorativen Spange zusammengehaltenen Mantel. Der Dargestelle könnte wegen seiner Bischofsmütze, der Tunika, dem langen Mantel und dem Rotulus in seiner Rechten als Prophet gedeutet werden. Wird das Tier zu seinen Füßen als Drache interpretiert, könnte der Prophet Daniel als Überwinder des babylonischen Baal-Drachens abgebildet sein.
(Quelle: Geschichte der bildenden Kunst in Österreich I: Früh- und Hochmittelalter, hg. v. H. Fillitz, 1998, S. 369f.)