Hofdame
(~1909)


Albin Egger-Lienz (*1868, †1926)

Landessammlungen Niederösterreich

Vier Künstler - Alois Hans Schram, John Quincy Adams, Josef Engelhart und Albin Egger-Lienz - hatte der Wiener Bürgermeister Karl Lueger eingeladen, die Buffeträume zu beiden Seiten des Festsaals im Wiener Rathaus auszuschmücken. Engelhart lehnte mit der Begründung der stilistischen und qualitativen Unvereinbarkeit ab und nicht zuletzt auch deshalb, weil die Künstler selbst die Kosten zu tragen gehabt hätten. Die anderen drei nahmen die "Einladung" an. Egger-Lienz wählte als Thema den "Einzug König Etzels in Wien", das erstmals, noch nicht vollendet, im Frühjahr 1910 in der Wiener Secession gezeigt wurde. Letztlich wurden die drei Bilder nie an dem für sie vorgesehenen Ort angebracht, sie passten schließlich doch nicht zueinander.

Vom ursprünglichen, in drei Abschnitte geteilten Entwurf mit den fast dreißig in Gruppen zusammengefassten Figuren gelangte Egger-Lienz durch zunehmende Reduktion und Konzentration auf eine friesartige Anlage von neun Figuren, vier Reitern und fünf Frauen. Bei der hier gezeigten Hofdame handelt es sich um eine Ölstudie zur vorletzten weiblichen Gestalt. Der Körper als Seitenansicht, das Gesicht im verlorenen Profil, so präsentiert sich uns die Frauenfigur groß, mächtig, feierlich, von beeindruckender Körperlichkeit, nicht zuletzt unterstrichen durch das lange, weiße, zum Saum hin in tiefe Falten gelegte Kleid. Die eingenommene Standbein-Spielbein-Pose der Dargestellten unterstreicht den Eindruck von Schwere.

Egger-Lienz' künstlerischer Weg klingt auch in dieser aus einem größeren Ganzen entnommenen einzelnen Frauenfigur an. Wenn auch die Gesamtkonzeption mit einer gewissen dekorativen Flächigkeit operiert, so ist diese Einzelstudie doch von Prinzipien geprägt, die auch wesentlicher Teil seines künstlerischen Schaffens sind: von Monumentalität, von Körperlichkeit, von Ernsthaftigkeit.

(Quelle: E. Roth, in: Waldmüller bis Schiele, Meisterwerke aus dem NÖ Landesmuseum, 2002, S. 146)