Hernstein


Gemeinde Hernstein

Ortsgeschichte

Die Marktgemeinde Hernstein liegt südlich der Stadt Berndorf im größten zusammenhängenden Schwarzföhrengebiet Mitteleuropas. Pechgewinnung stellte für die Bevölkerung einen wichtigen Erwerbszweig dar. Darauf nimmt auch die Gestaltung des Wappens der Marktgemeinde Bezug. In Hernstein befinden sich auch ein Pecherlehrpfad und das Pechermuseum.

In der Hohlurhöhle im Geiergraben bei Grillenberg fand man Keramikscherben, die der Linearbandkeramik-Kultur (4000–3200 v. Chr.) zugeordnet werden konnten. Weitere Funde aus dieser Zeit stammen aus dem „Zigeunerloch“ bei Kleinfeld. Eine Besiedelung dieses Gebietes kann man also bereits für die Jungsteinzeit annehmen. Aus der Römerzeit stammt ein Fund von 49 Münzen aus der Zeit Kaiser Constantius (337–361 n. Chr.) in Grillenberg.

Der Ortsname Hernstein leitet sich vom Burgnamen ab, mit der Bedeutung „bei der Burg am Felsen, die nach einem Mann namens Herrand benannt ist“, ab. Das Geschlecht der Harrandistein geht auf Herrand I. von Falkenstein-Grigingen zurück, der urkundlich erstmals um 1120 erwähnt wird und als Erbauer der Burg gilt. Im Falkensteiner Urbar, das Graf Siboto 1166 anlegen ließ, werden neben der Burg auch zwei Kirchen genannt: die zweigeschossige Burgkapelle mit Altären für den hl. Pankraz und für den hl. Georg oberhalb des Dorfes und die im Dorf befindliche Kirche des Hl. Laurentius (Lorenz). Im Falkensteiner Codex wird auch ein Hilfspriester erwähnt. Die um 1170 entstandene Pfarre war eine grundherrschaftliche Gründung, die erst 1445 an das Zisterzienserstift Neuberg an der Mürz (Steiermark) kam.

1260 starb das Geschlecht mit Konrad, Graf von Falkenstein-Neuenburg-Hartmannsberg-Hernstein aus. Schon zuvor dürfte die Herrschaft Hernstein im Verkauf an das Hochstift Freising gekommen sein. 1380 ging die Burg in landesfürstlichen Besitz über. In weiterer Folge wechselten die Besitzer häufig. 1524 wurde sie urkundlich „ödes Schloss“ genannt. Während der osmanischen Einfälle 1529/1532 und 1683 verödete auch das Dorf fast zur Gänze. Von der Burg sind heute nur mehr Reste des Wehrturms erhalten. 1577 erwarb Freiherr Hans von Heußenstein die Doppelherrschaft Hernstein und Starhemberg. Einer seiner Nachkommen, Graf Karl Joseph von Heußenstein, baute 1727–30 einen Meierhof zum „Hofhaus“ oder „neuem Schloss“ um. Unter dem neuen Besitzer Freiherr Heinrich von Müller wurde 1798 der Park angelegt. 1831 erwarb Erzherzog Rainer das Anwesen; dessen Sohn Erzherzog Leopold veranlasste den Um- und Ausbau des Hofhauses am Fuße des Burgfelsens durch Theophil Hansen (1856-80) in Stil der englischen Gotik (Tudorstil) und ließ es von führenden Künstlern und Handwerkern ausstatten. Der Umbau dauerte 28 Jahre und kostete 2 Millionen Gulden. 1943 erwarb die Erste Österreichische Sparkasse Schloss und Park. Einquartierungen und Plünderungen 1945 fügten der Substanz schwere Schäden zu. Mit 1. Jänner 1963 ging das Anwesen in den Besitz der Kammer der gewerblichen Wirtschaft Wien über. Diese sanierte das Schloss und den Park und richtete ein Seminarhotel ein. Diesen Zweck erfüllt es noch heute.  

Die Orte Hernstein, Aigen und Alkersdorf wurden 1946–47 elektrifiziert; 1963–64 wurde die Wasserleitung in Hernstein, Aigen und Alkersdorf errichtet. Mit 1. Jänner 1971 erfolgte eine Zusammenlegung der Gemeinden Hernstein, Grillenberg und Kleinfeld auf freiwilliger Basis. In den folgenden Jahren wurde die Infrastruktur der Gemeinde im Bereich der Wasser- und Abwasserversorgung weiter ausgebaut. Am 19. Mai 1994 erhob der Niederösterreichische Landtag die Gemeinde Hernstein zur Marktgemeinde und verlieh dem Markt ein Wappen: Die Dreiteilung symbolisiert die drei ehemaligen Gemeinden: für Hernstein steht der Wehrturm, für Grillenberg eine Pfarre des Stiftes Melk die gekreuzten Schlüssel und für Kleinfeld eine Föhre mit goldenem Harztopf. Die Gemeindefarben sind blau-weiß-grün. Die Gemeinde besteht heute aus den Orten Aigen, Alkersdorf, Grillenberg, Hernstein, Kleinfeld, Neusiedl und Pöllau.