Herrnbaumgarten


Gemeinde Herrnbaumgarten

Ortsgeschichte

Die Marktgemeinde Herrnbaumgarten liegt in einer Talsenke des Gfällbaches nordwestlich von Poysdorf nahe der Staatsgrenze. Die Region ist seit dem 17. Jahrhundert bekannt für seine qualitätvollen Weine. Der „Unterösterreichische Landeskompaß“ des Jahres 1673 etwa sprach eine Empfehlung für diese Weine aus. 1850 wurde an den Zarenhof nach Moskau geliefert. Die „Exportschlager“ waren „Fornatsch“, „Vanaz“ oder „Frauendorfer“. Heute sind es Grüner Veltliner, Sylvaner, Neuburger und Rheinriesling.

Das Gebiet von Herrenbaumgarten war schon in der Jungsteinzeit besiedelt, wie Funde von Keramik- und Steinwerkzeugen (3000 v. Chr.) vom Bruckholzberg belegen. In der Nähe des Baches im Ortsbereich wurden eine vorchristliche Opferstätte mit Kultgegenständen, sowie eine Feuer- und Backstelle und eine Abfallgrube aus der Zeit um 2000 v. Chr. gefunden. Die erste urkundliche Nennung des Ortes ist bereits 1056 als Poumgartun in der Schenkungsurkunde des Kaisers Heinrich III. an das Bistum Passau zu finden. Der Ortsname verweist auf einen „Obstgarten, Baumbestand“, der auf eine planmäßige Kultivierung schließen lässt. Der Zusatz „Herrn“ bezieht sich auf herrschaftlichen Besitz.

Die Hausberganlage mit weitläufiger Wehranlage ist vor allem auf dem Satellitenbild noch gut erkennbar. Seine Mauerreste sind in einigen Häusern erhalten. Im unteren Bereich des Pestbildes (1645) auf dem rechten Seitenaltar der Pfarrkirche zur Unbefleckten Empfängnis ist der turmartige Bau noch deutlich zu erkennensehen. Die Erdwälle wurden in der Folge eingeebnet und verbaut. Die Kellergasse (= „Langer Berg“) bildete nach einem Wall einen weiteren halbkreisförmigen Graben, an diesen anschließend befand sich ein zweiter (heute nicht mehr nachweisbarer) Wall. Im Haus Kellergasse 16 endete der Fluchtausgang der Burg. 1192 tauschte Wichard von Seefeld diesen Passauer Besitz gegen andere Güter ein. Ende des 12. Jahrhunderts nannte sich ein Zweig der Seefelder nach ihrem Sitz „von Baumgarten“. Wilhelm I. von Baumgarten gilt als Erbauer der Burg. Um 1313 findet der erste Kaplan der Burgkapelle Erwähnung; in dieser wurde bis 1411 Gottesdienst gefeiert. 1429 wurde Herrnbaumgarten bereits als Pfarre genannt. Pilgrim von Streun kam 1352 in den Besitz der Herrschaft; diese ging in der Folge an die Liechtensteiner. 1581 erhielt Herrnbaumgarten das Marktrecht. Der Jahrmarkt fand zu Egydi statt, später wurde er auf den 24. August verlegt.  

Hussiten (1426), Böhmen und Schweden (1645) setzten dem Ort schwer zu. Die Burg verfiel und wurde abgetragen. Die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts brachte auch die Pest. Bis 1957 befand sich hinter dem Friedhof eine Pesteiche mit dem Bild der Hl. Rosalia, die an die Pest von 1713 erinnerte. 105 Todesopfer waren zu beklagen. Jahre später vernichtete eine verheerende Feuersbrunst 64 Häuser, zwei Presshäuser, das Rathaus, das Dienerhaus, die Schule sowie den  Pfarrhof und die Kirche. Das heutige Ortsbild wird noch immer vom Wiederaufbau nach diesem Brand geprägt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts (1805) lagerten etwa 5000 Franzosen von Napoleons Armee in Herrnbaumgarten; Plünderungen und Kontributionsleistungen belasteten die Bevölkerung schwer. 1832 trat dann die Cholera auf. 1855 wütete diese erneut und derart stark, dass aus Wien ein Arzt mit sechs Helferinnen herbeigeholt werden musste, um die betroffenen Patienten pflegen zu können. Das Rathaus wurde zum Notspital umfunktioniert. Dennoch starben 130 Personen. Die größte Brandkatastrophe in Herrnbaumgarten wütete am 4. Juli 1856: von der heutigen Brandstraße ausgehend, wurden binnen weniger Stunden 118 Häuser samt Wirtschaftsgebäuden vernichtet. Mit den Preußen kam 1866 wieder die Cholera: 63 Opfer waren zu beklagen. In den letzten Monaten und Wochen des Zweiten Weltkriegs war Herrnbaumgarten wiederholt Ziel von Bombenangriffen. Am 21. April 1945 wurde der Markt von der Roten Armee besetzt. Rinder und Pferde wurden beschlagnahmt, in den Kellern der Wein verschüttet.

Mit Bescheid vom 17. Mai 1994 verlieh die Niederösterreichische Landesregierung der Marktgemeinde ein Wappen: In Silber auf grünem Dreiberg ein zinnenbekrönter, gequaderter schwarzer Turm, belegt mit einem rot-silber-roten Bindenschild, zu beiden Seiten je ein belaubter grüner Weinstock mit zwei Trauben. Die Gemeindefarben Schwarz-Weiß-Grün wurden genehmigt. Heute zeigt sich der Ort von seiner „verrücktesten“ Seite: Das Nonseum „nützt (so die Eigenbeschreibung) wirklich niemandem, das aber sehr gewissenhaft und mit aller Liebe.“ Mit seinen Nonsens-Erfindungen geht das Nonseum auf das Jahr 1984 zurück und provoziert mit kreativen Ideen seine Besucher/innen immer wieder aufs Neue. 2003 erhielt „das verrückte Dorf“ den 1. Preis der Stadt- und Dorferneuerung und 2005 den Europäischen Dorferneuerungspreis.