Leobendorf


Gemeinde Leobendorf

Ortsgeschichte

In der Marktgemeinde Leobendorf liegt eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Niederösterreichs, die weithin sichtbare Burg Kreuzenstein im Stil des romantischen Historismus des 19. Jahrhunderts. An ihrer Stelle stand bereits um 1120 eine Burg, genannt Grizanestein bzw. Kricenesteine (um 1140), Sitz der Grafen von Formbach-Kreuzenstein.

Die Geschichte von Leobendorf, das erstmals 1142 urkundlich erwähnt wird, ist eng mit der Burg und der Herrschaft Kreuzenstein verbunden. Die schon um die Mitte des 11. Jahrhunderts gegründete Pfarre Leobendorf  war Mutterpfarre für den östlichen Teil des Hoheitsgebietes der Formbacher im Raum Kreuzenstein-Bisamberg. Aus einem Pfarrsprengel entstand später zum Teil die Pfarre Korneuburg. König Ottokar übergab 1260 das Patronatsrecht dem Deutschen Orden, ab 1451 war die Pfarre dem Stift Waldhausen bis zu dessen Aufhebung 1788 inkorporiert.

Die Pfarrkirche von Leobendorf, ursprünglich ein gotischer Bau aus dem 14. Jahrhundert, wurde im 17. Jahrhundert barockisiert und nach dem Ortsbrand im Jahre 1733 umgebaut. An den Chorseitenwänden wurden 1952 wertvolle gotische Wandmalereien des 14. Jahrhunderts (um 1340) freigelegt.

Burg Kreuzenstein fiel nach den Formbachern an deren Erben, die Grafen von Wasserburg, die 1259 ausstarben, und schließlich an die Habsburger. 1408 wurde sie zum Gefängnis des oppositionellen Wiener Bürgermeisters Konrad Vorlauf und mehrerer Wiener Ratsherren. Im 16. Jahrhundert war Kreuzenstein unter anderem im Besitz des Grafen Niclas von Salm, des Verteidigers von Wien bei der ersten Türkenbelagerung 1529, und des Grafen Ferdinand von Hardegg, der 1595 wegen der Übergabe der Festung Raab an die Osmanen enthauptet wurde. Im 17. Jahrhundert wurde Kreuzenstein Graf Karl von St. Hilaire verliehen (1623), wenig später - im September 1645 - von den Schweden erobert und gesprengt. Nach der Zerstörung wurde Leobendorf Sitz der Herrschaft Kreuzenstein.

Seit 1702 waren die Grafen Wilczek Besitzer von Ruine und Herrschaft. Zwischen 1879 und 1906 ließ Hans Nepomuk Wilczek über dem Grundriss des mittelalterlichen Baus eine romantische Idealburg unter Verwendung echter Werkstücke und älterer Bauteile errrichten. Damit verwirklichte er sich den Traum einer romantischen Ritterburg mit Türmen, Zugbrücke und Burghof sowie Rittersaal, Bibliothek, Trinkstube und Küche. Für die Ausstattung trug Wilczek eine große Sammlung von kulturhistorisch wertvollen Gegenständen zusammen. Obwohl 1915 bei einem Brand teilweise zerstört, ist diese Sammlung mit rund 110.00 Exponaten immer noch außerordentlich vielfältig: Sie umfasst Kruzifixe, Altäre, Reliefs, Büsten, Gemälde, Möbel, Glasmalereien, Musikinstrumente, Geräte sowie die größte private Waffensammlung Österreichs.