Ottenstein


Gemeinde Rastenfeld

Ortsgeschichte

Die auf einem Felssporn am Ottensteiner Stausee gelegene Burg Ottenstein entstand in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. 1177 wird erstmals urkundlich ein Hugo de Ottenstaine genannt, die Burg dürfte in den Jahrzehnten davor errichtet worden sein. Aus der ältesten Zeit der Burg stammen die 1975 freigelegten Fresken in der romanischen Burgkapelle (um 1180). Die Herren von Ottenstein, die verwandt bzw. ident waren mit den Herren von Rauheneck (Rauheneck bei Baden), besaßen Burg und Herrschaft bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts als freies Eigen.  Sie waren Inhaber einflussreicher Hofämter (u.a. Hofrichter in Österreich) und Ratgeber des Landesfürsten. Der Letzte des Geschlechts, Albero, wurde 1411 Rat des jungen Herzogs Albrecht V.

1442 war ein Tobias von Rohr im Besitz Ottensteins, der wegen diverser Übergriffe von den Ständen 1448 in der Burg belagert und gefangen gesetzt wurde. Etwa 40 Jahre später standen die Herren von Rohr auf der Seite des ungarischen Königs Matthias Corvinus. Nach dem Tod Christophs von Rohr 1516 gelangte die Burg an Paul Stodoligk (ab 1519), dessen Sohn Eustach umfangreiche Um- und Neubauten durchführte. Unter anderem wurde die Burg durch eine nördlich vorgelagerte Vorburg gesichert. 1536 erfolgte der Verkauf an Melchior von Lamberg, dessen Familie Burg Ottenstein mehr als 400 Jahre besaß. 1544 wurden die Lamberg in den Freiherrenstand - "Freiherren von Ortenegg und Ottenstein"-  und 1667 in den Grafenstand erhoben.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Ottenstein 1620 und 1645 erfolglos belagert. Die barocken Umbauten Ende des 17. Jahrhunderts (ab 1679) gaben der Burg ihr heutiges schlossartiges Erscheinungsbild. Die neu eingebaute, dem hl. Florian geweihte Kapelle wurde von Lorenzo Aliprandi mit einer reichen Stuckausstattung versehen. Das als Oratorium zur Kapelle 1687/88 geschaffene so genannte "Päpstezimmer" ist mit den Porträts von 241 Päpsten geschmückt. In der Barockzeit Die Lamberg legten eine hervorragende Kunstsammlung an, die durch die Schenkungen Franz Adams von Lamberg 1822 den Grundstein der Galerie der bildenden Künste in Wien bildete.

Im Zuge einer romantisierenden Erneuerung 1867/78 erhielt Ottenstein Kegel- und Zeltdächer, rot-weiß-rote Fensterläden und giebelgekrönte Dachlinien, die ihr das Aussehen einer romantischen "Bilderbuch-Burg" verliehen. Anlässlich der Errichtung des Truppenübungsplatzes Allentsteig mussten die Lamberg das Schloss zwangsweise an die Heeresgutverwaltung verkauft werden. Nach 1945 stand Ottenstein unter USIA-Verwaltung und diente zeitweise als Offiziersunterkunft. 1956 kam das Schloss zunächst pachtweise an die niederösterreichischen E-Werke und 1958 in das Eigentum der Windhag'schen Stipendienstiftung. Die Schäden der Besatzungszeit erforderten eine umfassende Außen- und Innenrestaurierung. Pächter und Betreiber ist heute die niederösterreichische Energieversorgung (EVN).

Seit jüngerer Zeit wird die Burg touristisch-gastronomisch genutzt: In der Vorburg wurde das Schlossrestaurant eingerichtet, die adaptierten Innenräume stehen für Veranstaltungen zur Verfügung. 2001 fand in Ottenstein und in dem nahe gelegenen Schloss Waldreichs die NÖ Landesausstellung "Sein und Sinn - Burg und Mensch" statt.