Petronell-Carnuntum


Gemeinde Petronell-Carnuntum

Ortsgeschichte

Carnuntum, die Hauptstadt der römischen Provinz Oberpannonien, entstand am Kreuzungspunkt zweier wichtiger Verkehrsverbindungen: der zwischen Mittelmeer und Ostsee verlaufenden alten Bernsteinstraße und der Limesstraße entlang der Donau, damals die europäische West-Ost-Hauptroute. Militärlager und Zivilstadt erstreckten sich über die heutigen Gemeinden Petronell-Carnuntum und Bad Deutsch-Altenburg, heute der "Archäologische Park Carnuntum".

Carnuntum war ursprünglich der Name einer keltischen Siedlung im Hainburger Raum (Theben/Devin?), die 6 n. Chr. erstmals als Stadt im Königreich Noricum schriftlich erwähnt wird (bei Velleius Paterculus). Nach der Festlegung der Donau als römische Reichsgrenze wurde um die Mitte des 1. Jahrhunderts unter Kaiser Claudius (41-54) von der XV. Legion (Legio XV Apollinaris) ein großes befestigtes Lager errichtet, für das man den Namen des keltischen Oppidum übernahm. Carnuntum wurde in der Folgezeit ein überaus bedeutender Teil des Limes, des Verteidigungssystems an der Donaugrenze. Das erste Lager war eine - schnell zu errichtende - Holz-Erde-Konstruktion, befestigt mit Erdwall, Palisaden und Holztürmen. Bereits ab den 70er-Jahren erfolgte der schrittweise Ausbau zum Steinlager. Zur Verstärkung wurde ein Auxiliarkastell für eine 500-Mann starke Reitereinheit errichtet (unter Kaiser Domitian 81-96).

In Carnuntum war zunächst die XV. Legion stationiert, kurzzeitig die X. sowie XXII. Legion (Legio X Gemina Pia Fidelis, Legio XXII Primigenia) und unter Kaiser Trajan (98-117) dauerhaft die XIV. Legion als Hauslegion (Legio XIV Gemina Martia Victrix). Unter Trajan erfolgte auch die Teilung der großen Provinz Pannonien in Pannonia superior und Pannonia inferior. Carnuntum wurde nun Sitz des Statthalters von Oberpannonien, der zugleich Oberbefehlshaber der hier stationierten Legionen war, bis in das 3. Jahrhundert drei (Carnuntum, Vindobona, Brigetio), danach zwei (ohne Brigetio).

Direkt an das Lager anschließend entstand an drei Seiten die "Lagerstadt" (Canabae legionis), wo in unmittelbarer Nachbarschaft der Truppe Geschäftsleute, Händler und Handwerker lebten. Die Lagerstadt hatte in ihrer Blütezeit eine Ausdehnung von 130 Hektar. Hier wird auch der Palast des in Carnuntum residierenden Statthalters von Oberpannonien angenommen.  In einem Abstand von 1,5 römischen Meilen (2,2 km) westlich des Lagers wurde um 70 n. Chr. eine Zivilsiedlung gegründet, die unter Kaiser Hadrian (117-138) zur Stadt (Municipium Aelium Carnuntum) erhoben wurde. Den nächsthöheren städtischen Rang als Colonia erhielt Carnuntum schließlich 194 unter Septimius Severus (Colonia Septimius Severus), der hier als oberpannonischer Statthalter residierte und von der Legion zur Kaiser ausgerufen worden war (193-211). Auf dem Plateau des Pfaffenbergs von Bad Deutsch-Altenburg entstand ein mehrere Tempelbauten und ein Kulttheater umfassender Tempelbezirk für den Jupiter- und Kaiserkult (zerstört durch den Steinbruch).

Ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung der Stadt war der Fernhandel. Hier kreuzte die Donau - der wichtigste Handelsweg zwischen Westen und Osten - die nordsüdlich verlaufende Bernsteinstraße. Durch diese Verkehrslage wurde Carnuntum Ausgangspunkt und Umschlageplatz des Handels mit den nördlichen Völkern. Importiert wurden u. a. Tiere und Tierprodukte sowie der in der römische Kaiserzeit überaus begehrte (baltische) Bernstein. Ihre Hochblüte als Militär-, Handels- und Verwaltungszentrum erlebte die Stadt im 3. und 4. Jahrhundert mit rund 50.000 Einwohnern und einer Ausdehnung von zehn Quadratkilometern. Sie war von Mauern geschützt, ihr Zentrum bildete das Forum am Schnittpunkt der Hauptstraßen, das sich südlich der großen Forumsthermen (sog. "Palastruine") befand. Die Zivilstadt besaß - ebenso wie die Lagerstadt - ein Amphitheater, das außerhalb der Stadtmauer lag. Aus der Blütezeit der Stadt stammt auch das gewaltige "Heidentor", das vermutlich um die Mitte des 4. Jahrhunderts unter Kaiser Constantius II. (337-361) als Triumphbogen erbaut wurde. Von dem ursprünglichen Monument mit vier Durchgängen, in dessen Mitte eine Statue stand, ist nur ein Durchgang erhalten. 

Wiederholt hielten sich in Carnuntum Kaiser auf, so Marcus Aurelius während der Markomannenkriege (172-175), der hier auch seine "Selbstbetrachtungen" verfasste. Im Jahr 193, als Septimius Severus zum Kaiser erhoben wurde, und 308, als Carnuntum Schauplatz eines Kaiserkongresses unter dem Vorsitz Diokletians war, rückte Carnuntum sogar in den Mittelpunkt der römischen Weltpolitik. Doch schon sieben Jahrzehnte nach dem denkwürdigen Gipfeltreffen wurde die von Germanen wiederholt geplünderte Stadt als "verlassenes, schmutziges Netz" bezeichnet (375) und verfiel nach einer neuerlichen Plünderung 395.

Die Reste der einst so bedeutenden Stadt sind heute im Archäologischen Park Carnuntum zu sehen (www.carnuntum.co.at). Im 1901 bis 1904 im Stil einer antiken Landhausvilla erbauten Museum Carnuntinum in Bad Deutsch-Altenburg, dem größten Römermuseum Österreichs, werden die wertvollen Funde gezeigt. Ein Stadtviertel der Zivilstadt lässt sich inzwischen auch virtuell besuchen (www.multimediaplan.at/carnuntum).

Ab dem 11. Jahrhundert entwickelte sich im Bereich der römischen Zivilstadt eine neue Siedlung. Das Hainburger Gebiet gehörte seit 1058 Kaiserin Agnes, der Mutter Kaiser Heinrichs IV. Sie stiftete der neu gegründeten Pfarrkirche Reliquien der hl. Petronilla aus Rom. Als Patronin der Kirche gab Petronilla auch dem daneben entstehenden Dorf seinen Namen. Der Standort der ersten Pfarrkirche ist allerdings ungeklärt, möglicherweise handelte es sich um den aus dem 11. Jahrhundert stammenden Vorgängerbau der im 12. Jahrhundert errichteten, romanischen Rundkirche St. Johannes, die zu den wertvollsten romanischen Rundbauten in Österreich zählt (heute Abensperg-Traun'sche Gruftkirche).

1142 erhielt ein Hugo von Liechtenstein das Gut Petronell von König Konrad III. als freies Eigen. Zudem wurde ihm das Recht verliehen, dort einen Markt abzuhalten. Das Marktrecht wurde im 14. Jahrhundert mehrmals bestätigt (1357, 1359, 1398) und diente als Vorlage für das Scheibbser Marktprivileg. Unter den Liechtensteinern entstand um 1210 der romanische Bau der Pfarrkirche und der Markt wurde durch einen quadratischen Platz erweitert. Anfang des 14. Jahrhunderts gelangte die Herrschaft Petronell an die Herren von Kranichberg, die die Sonderstellung Petronells nicht behaupten konnten. Petronell wurde landesfürstliches Lehen, als Rest der alten Stellung blieb nur as eigene kleine Landgericht. Nach den Kranichbergern gelangte der Markt an den St.-Georgs-Orden (1510), dann an die Jesuiten in Graz (1598), die Freiherren von Unverzagt (1610) und schließlich 1650 an die Grafen von Abensperg-Traun.

Die mittelalterliche Burg wurde im 16. Jahrhundert zu einer von Gräben und Wehranlagen umgebenen Wasserburg ausgebaut. Um 1600 und in den 1620er Jahren - nach den Verwüstungen durch die Truppen Bethlen Gabors 1619 - wurden im Zuge von Neubauten die mittelalterlichen Bauteile und Wehranlagen abgetragen. Unter Ernst III. von Abensperg-Traun erhielt das Schloss ab 1660 seine heutige repräsentative Gestalt.