Poigen


Gemeinde Sankt Bernhard-Frauenhofen

Ortsgeschichte

Westliche von Horn an der Großen Taffa liegt die Ortschaft Poigen, heute eine Katastralgemeinde der Gemeinde St. Bernhard-Frauenhofen. Ursprünglich durchfloss die Taffa den Dorfanger. Eine Besiedlung des Gebietes um Poigen lässt sich bis in das neue und mittlere Neolithikum zurückverfolgen. Weitere Funde gehören der Hallstatt- und Latènekultur an.

Urkundlich wird der Ort erstmal anlässlich einer Schenkung an Göttweig 1090/1104 ad Buigin, Biugin erwähnt („bei den Flussschlingen (der Großen Taffa)“, „Krümmung“, „Biegung“). Poigen ist namensgebend für ein bedeutendes Grafengeschlecht, das der Grafen von Poigen-Regau, die nach der Schlacht bei Mailberg 1082 das Poigreich (rus Biuga, Beugriche) begründeten. 1144 stifteten die Grafen von Poigen das Benediktinerstift Altenburg. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Gegend um Poigen von den Kampfhandlungen unmittelbar betroffen. 1645–46 besetzten die Schweden die Horner Region, einige Häuser verödeten. Während den Napoleonischen Kriegen zogen zweimal französische Truppen durch das Gebiet: 1805 war nur von einem kleinen Streiftrupp die Rede, 1809 blieben sie für fünf Monate in der Gegend und verpflegten sich plündernd im Stift Altenburg und Umgebung.

Um 1840 beschrieb Schweickhardt Poigen als Dorf von 54 Häusern, in denen 64 Familien lebten. Der Viehbestand belief sich auf 21 Pferde, 36 Ochsen, 77 Kühe, 93 Schafe, 22 Ziegen und 112 Schweinen. Um die Versorgung der Bevölkerung kümmerten sich zu dieser Zeit ein Krämer, ein Müller, ein Wirt, ein Bäcker, ein Schmied, zwei Binder, zwei Weber, ein Schuster und zwei Schneider. Neben Ackerbau wurde auch erfolgreich Obstbau betrieben. Die Obstgartenbesitzer lieferten ihre Ware bis nach Wien. Eine mehrjährige Dürre ab 1834 setzte diesem Erwerbszweig ein Ende. Poigen besaß keine eigene Kirche. Die Bewohner*innen waren in Neukirchen an der Wild eingepfarrt. 1834 wurde dann eine schlichte Ortskapelle errichtet, die zehn Jahre später eingeweiht wurde. Eine der häufigen Überschwemmungen durch die Taffe beschädigte auch die Kapelle, die 1873 wiederhergestellt wurde. Nach der Aufhebung der Grundherrschaft 1848 und der Konstituierung der neuen Gemeinden wurde Poigen zunächst der Gemeinde Brunn an der Wild angegliedert.