St. Leonhard am Hornerwald


Gemeinde Sankt Leonhard am Hornerwald

Ortsgeschichte

Westlich von Gars am Kamp in einer von sanften Hügeln, Wiesen und Wäldern geprägten Landschaft liegt auf 582 Meter Seehöhe die Waldviertler Marktgemeinde St. Leonhard am Hornerwald. Heute umfasst das Gemeindegebiet die Orte Obertautendorferamt, St. Leonhard am Hornerwald, Untertautendorferamt, Wilhalm und Wolfshoferamt. Für die Region typisch sind die Streusiedlungen.

Das Gemeindegebiet war bereits seit der mittleren Jungsteinzeit (ab ca. 4000 v. Chr.) immer wieder besiedelt, wie Einzelfunde zeigen. Auch bronzezeitliche Spuren finden sich. Im 9. Jahrhundert n. Chr. wohnten hier Slawen, wie das Hügelgräberfeld am Glasberg belegt. Dann kam es an die Babenberger.

Das Dorf Wilhalm, westlich von St. Leonhard, wurde als erstes Dorf bereits im 12. Jahrhundert vom Rodungsführer Wilhelm gegründet. Wilhalm galt als Versorgerort für die etwas nördlicher gelegene Rundersburg, die zur Mitte des 12. Jahrhunderts, am linken Ufer des Franbachs, von den Herren von Ronnenberc errichtet wurde. Diese dürften ritterliche Eigenleute der Kuenringer gewesen sein. Die Burg war Teil des Wehrsystems am Kamp und sollte den Weg von Gars nach Pölla schützen und das Franbachtal kontrollieren. Die Burg verfiel im Laufe des 14. Jahrhunderts.

Der südlich der Gemeinde gelegene Gföhlerwald blieb bis ins 16. Jahrhundert als finsteres Waldland nahezu unbesiedelt. Erst in der Neuzeit wurde der Gföhlerwald kolonisiert: Der Wald wurde von Holzknechten aus den Alpen sowie Arbeitskräften aus Bayern, Schwaben, der Pfalz und Böhmen gerodet, was Ortsnamen und Familiennamen noch heute deutlich belegen (Reith, Gschwandt, Schlag, Brand). Köhler produzierten Holzkohle, an einigen Stellen entstanden Glashütten.

Im Laufe des 17. Jahrhunderts entstanden die ersten zerstreuten Waldhütten, später die Waldämter, benannt nach Wolfshof und Tautendorf, die sich unter der Herrschaft Hoyos aus Horn befanden. Die nächsten Poststationen waren in Horn und Gföhl. Einzelne Gehöfte wurden um 1737 in „Ämtern“ zu Verwaltungseinheiten zusammengefasst und Joseph II. setzte Dorfrichter zur Selbstverwaltung ein.

St. Leonhard wurde erst um 1750 gerodet und besiedelt. Die Ansiedlung hieß früher „Lampelhöhe“, was auf eine herrschaftliche Lämmerweide zurückgehen soll. Danach (amtlich bis 1881) nannte sich das Dorf „Hornerwald“ und wurde schließlich in „St. Leonhard“ umbenannt. Der hl. Leonhard ist der Kirchenpatron der in der Ortsmitte liegenden barocken Saalkirche. 1769 unterzeichnete Johann Ernest Graf Hoyos den Stiftungsbrief für die Errichtung einer Kirche am Berg - in loco lamblhöhe. 1777 fand die Kirchweihe statt. In der Folge entwickelte sich eine Wallfahrt, die in der Vergangenheit viele Pilger anzog. Bauern aus der nahen und weiten Umgebung kamen hierher und baten um Segen für ihre Tiere. Der hl. Leonhard galt und gilt als Viehpatron. Neben dem Pfarrhof wurde 1777 auch eine Schule errichtet. Als sich 1771 einige Waldbauern gegen den Robot auflehnten, befasste sich sogar Maria Theresia mit dem Fall. Einige Aufwiegler wurden in Gföhl bzw. im Wiener Rumorhaus eingekerkert. Mehrere Familien wurden in den Banat verbannt; einige von ihnen kamen heimlich zurück.

1886 wütete eine Masernepidemie in der Region, der zahlreiche Schulkinder zum Opfer fielen.

Eine wichtige Erwerbsquelle stellte der Steinbruch im Wolfshoferamt dar. Nach dem Bau der Kamptalbahn wurden die hier gebrochenen Pflastersteine mit der Bahn zur Donau gebracht und auf Schiffe nach Wien geführt.

Am 23. März 1976 wurde im NÖ Landtag der Antrag gestellt, St. Leonhard am Hornerwald zum Markt zu erheben. Diesem Antrag wurde stattgegeben. Mit Bescheid vom 24. Februar 1976 verlieh die NÖ Landesregierung der Gemeinde ein Wappen: „Im blauen Feld ein goldener Schrägrechtsbalken, der von zwei aus den Schildecken wachsenden silbernen Drachenköpfen gehalten wird, und unter dem ein naturfarbener Holzstiel, der oben eine silberne Hacke trägt und aus dem unten rote Flammen emporzüngeln, liegt.“ Die Gemeindefarben „Blau-Weiß” wurden genehmigt. Am 27. Mai 2001 fand die Eröffnung des „lebenden Handwerksmuseums“ statt. In den Vorführungen zeigen Handwerker, wie man früher mit einfachen Werkzeugen Produkte des Alltags hergestellt hat.

Alljährlich am Sonntag nach dem Fest des Kirchenpatrons (6. November)  – findet der Leonhardiritt statt.