St. Pölten


Gemeinde Sankt Pölten

Ortsgeschichte

Die junge Landeshauptstadt wurde wie keine andere Stadt in Niederösterreich zum Symbol für die Verbindung von Tradition und Vision, architektonisch verwirklicht im Gegenüber von Altstadt und Regierungsviertel. St. Pölten verbinden heute Partnerschaften mit Städten in den USA, Deutschland, Frankreich und Tschechien, China und Japan.

St. Pöltens Traditionen reichen weit in die Frühgeschichte zurück. Schon seit der Jungsteinzeit war die Gegend besiedelt, wie reiche Funde bezeugen. In der Römerzeit entstand die Siedlung Cetium, die unter Kaiser Hadrian (117-138) ein Stadtrecht erhielt und neben Carnuntum und Ovilava (Wels) zu den bedeutenden Zentren im Nordosten des römischen Imperiums gehörte. In der Spätantike verlor Cetium zugunsten von Favianis (Mautern) an Bedeutung und wird in der Folgezeit nicht mehr genannt. Erst Ende des 8. Jahrhunderts taucht St. Pölten wieder in den Quellen auf, nun unter dem Namen "Traisma". Möglicherweise schon im 9. Jahrhundert wurde das Kloster St. Hippolyt gegründet und von der Benediktinerabtei Tegernsee aus besiedelt, erstmals erwähnt wird es als Kollegiatstift 976. Etwa 100 Jahre später wurde das Stift von Bischof Altmann von Passau in ein Augustiner-Chorherrenkloster umgewandelt, das bis 1784 bestand und danach zum Bischofssitz der neuen Diözese St. Pölten wurde.

Die auf den Fundamenten von Cetium entstandene Siedlung Traisma unterstand dem Bischof von Passau und war bereits im 11. Jahrhundert ein Markt. 1159 verlieh ihr Bischof Konrad von Passau ein stadtrechtähnliches Privileg und schuf damit die Voraussetzung für die Stadtentwicklung. Im 13. Jahrhundert wurde die Stadt um einen Westteil mit dem "Breiten Markt" (heute Rathausplatz) planmäßig erweitert und mit einer Stadtmauer umgeben. Das Viertel um das Kloster wurde dem Propst des Stiftes unterstellt, während der passauische Teil eine städtische Verwaltung mit Richter und Rat erhielt. Bischof Albrecht von Passau verlieh der Stadt 1338 ein Stadtrecht. Die Aufteilung der Stadt zwischen Bistum und Stift war allerdings konfliktträchtig, wie der Ausgleich von 1367 zeigt: Das Stift musste die Besitzungen in der nördlichen Stadthälfte Passau zurückgeben und das Bistum erhielt auch sämtliche Markteinkünfte.

Bis zum Ende des Mittelalters blieb St. Pölten passauisch und wurde erst als Folge der Verpfändung der Stadt an König Matthias Corvinus von Ungarn landesfürstlich. 1481 verpfändete Bischof Friedrich Mauerkircher die Stadt dem ungarischen König, der sie zu einem seiner wichtigsten Stützpunkte in Niederösterreich im Kampf gegen Kaiser Friedrich III. machte und sehr förderte. 1486 verlieh er St. Pölten einen Wappenbrief, kurz darauf umfangreiche Maut- und Transportprivilegien. Nach der Vertreibung des Ungarnkönigs beanspruchte Maximilian I. im Frieden von Pressburg 1491 die Stadt als Kriegsbeute für sich und gab seine Ansprüche auch gegenüber dem eigentlichen Stadtherrn, dem Bischof von Passau, nicht mehr auf. Als landesfürstliche Stadt war St. Pölten im Landtag vertreten und erhielt 1538 von Ferdinand I. ein neues Wappen, das seine neue Stellung zum Ausdruck brachte.

Die Stadtmauer erwies sich im 16. und 17. Jahrhundert als wirksamer Schutz gegen die Osmanen (1529, 1683) und die aufständischen Bauern. Eine besondere Blütezeit erlebte St. Pölten im 18. Jahrhundert. Jakob Prandtauer und Josef Munggenast machten die Stadt zu einem Zentrum barocker Baukunst, das der um den Wiener Hof gruppierten Schule fast ebenbürtig zur Seite stand. Damals erhielt das Stadtbild mit dem Dom, der Karmelitinnenkirche, dem Institut der Englischen Fräulein, der Rathausfassade und mehreren Adelspalästen sein reizvolles barockes Aussehen. An der Domkirche (1722-1750) wirkten so namhafte Künstler wie Daniel Gran, Bartolomeo Altomonte und Tobias Pock mit. Im Zuge der katholischen Reform wurden neue Klöster gegründet, sodass die nur 29 Hektar umfassende Stadt um 1770 insgesamt sechs geistliche Niederlassungen zählte, von denen infolge der Klosteraufhebungen unter Kaiser Joseph II. nur das Institut der Englischen Fräulein (seit 1706) und das Franziskanerkloster (heute Philosophisch-Theologische Hochschule)bestehen blieben. Die josephinischen Reformen machten St. Pölten zum kirchlichen Zentrum: 1785 wurde das Bistum Wiener Neustadt nach St. Pölten transferiert und als Bischofssitz das zuvor aufgelöste Chorherrenstift bestimmt.

Seit dem 18. Jahrhundert kam es im Zuge der Industrialiserung in St. Pölten zur Ansiedlung kleinerer Betriebe, darunter Hammerwerke, Papiermühlen, Tuchmacher und eine Kattunmanufaktur. Eine wirklich bedeutende wirtschaftliche Rolle spielten aber erst die an der Wende zum 20. Jahrhundert gegründeten Fabriken, wie die Voithwerke, die Glanzstofffabrik und die Hauptwerkstätte der Bundesbahnen. Die Einweohnerzahl stieg sprunghaft an (1848: 4.500, 1880: 10.000, 1922: fast 22.000) und in den nach dem Ersten Weltkrieg eingemeindeten Orten Viehofen, Wagram oder Spratzern entstanden neue Siedlungen. Mit der Verleihung eines eigenen Statuts 1922 wurde der neuen wirtschaftlichen Bedeutung St. Pöltens Rechnung getragen. Die Wirtschaftskrise von 1930 machte aus dem Hoffnungsgebiet allerdings ein Notstandsgebiet mit tausenden Arbeitslosen. Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt durch Luftangriffe und Frontkämpfe schwer zerstört. 1948 begann der Wiederaufbau, der nach 1955 mit der Instandsetzung der historischen Bauten und der Ausgestaltung der Stadt vollendet werden konnte.

Die 1980er Jahre brachten die bedeutendste Veränderung in der Geschichte der Stadt. 1984 setzte Landeshauptmann Siegfried Ludwig die seit 1921 immer wieder diskutierte Frage nach einer eigenen Landeshauptstadt gezielt in Gang. Die Volksbefragung vom 2. März 1986 brachte ein eindeutiges Votum für St. Pölten, das am 10. Juli 1986 zur Landeshauptstadt erklärt wurde. Das neu erbaute Regierungsviertel und der Kulturbezirk, dessen letzter Bau - das Landesmuseum - im November 2002 eröffnet wurde, sind Zeichen der neuen Funktion St. Pöltens als politisches und kulturelles Zentrum des Landes.