Seebenstein


Gemeinde Seebenstein

Ortsgeschichte

Die in beherrschender Lage auf einem Waldkegel im Pittental gelegene Burg Seebenstein zählt zu den bedeutendsten Baudenkmälern der Region. Urkundlich nennt sich erstmals 1159/1164 ein Kalhoch nach Seebenstein, der älteste erhaltene Baubestand datiert in die Zeit um 1200. Bis ins 14. Jahrhundert war die Burg im Besitz der bis 1326 nachweisbaren älteren Seebensteiner. Am Fuß des Burgbergs entwickelten sich eine Siedlung und eine Pfarre, die zunächst "Herders(berg)" hieß. Erst später wurde der Burgname auf die ganze Siedlung übertragen.

Der kleine fünfseitige Herrschaftssitz wurde im Spätmittelalter großzügig erweitert und erhielt einen monumentalen Bergfried. Anfang des 15. Jahrhunderts erwarben die ritterständischen Seebeck von Baden die Herrschaft, die sie 1432 um den stolzen Preis von 3.600 Pfund an die zum Pittener Kleinadel gehörigen Königsberger verkauften. Diese stiegen im 15. und 16. Jahrhundert zu einem der bedeutendsten Adelsgeschlechter im südlichen Niederösterreich auf. Die Pfarrkirche von Seebenstein war ihre Familiengrablege. Angeblich soll König Matthias Corvinus Seebenstein erfolglos belagert haben, doch dürfte die Geschichte aus der Barockzeit stammen, in den zeitgenössischen Quellen gibt es dafür keinen Beleg. Legendenumwoben ist auch der weithin sichtbare "Türkensturz", eine steile, 610 m tiefe Felswand mit einer künstlicher Ruine, die im 19. Jahrhundert errichtet wurde. Die Erzählungen über den angeblichen Sturz osmanischer Streifscharen in die Tiefe erinnern an das Vordringen der Osmanen in das Pittental in den Jahren 1529 und 1532.

Anfang des 16. Jahrhunderts ließen die Königsberger Burg und Pfarrkirche ausbauen. In der Folgezeit waren sie evangelisch, so wie viele Adelige der Umgebung. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts ließ Wolf Matthäus, der letzte männliche Königsberger, die Burg in ein großzügiges Wohnschloss umgestalten. Trotz ausgedehnter Herrschaftsrechte kam es zum finanziellen Niedergang, zu dem die Um- und Neubauten Seebensteins sowie Besitzstreitigkeiten beitrugen. Die vermutlich finanziell motivierten Übergriffe des Wolf Matthäus auf den Seebensteiner Pfarrbesitz führten zu einem jahrelangen Streit, der mit dem Entzug des Patronats durch Kaiser Ferdinand III. endete. Die Pfarre wurde ab 1649 von den Minoriten aus Neunkirchen und später von Pitten aus versehen.

Nach dem Tod des letzten Königsbergers kamen die Reste des einst riesigen Besitzes 1645 an die Herren von Pergen. Karl Pergen nahm die Chance wahr, durch Ankauf der schwer belasteten Güter seine Familie in den Reihen der niederösterreichischen Herrschaftsbesitzer zu etablieren. Als Katholik leitete er sofort die Rekatholiserung der neu erworbenen Herrschaft ein, die einen hohen Anteil evangelischer Untertanen hatte. Der Besitzkomplex wurde unter seinen drei Söhnen aufgeteilt. Seebenstein ging an Johann Baptist, der 1694 ein kleines Schloss im Dorf Seebenstein bei der Mühle erbauen ließ, da das Bergschloss offenbar nicht mehr komfortabel genug war. Es verfiel zunehmend, doch dank der von seiner Schwiegertochter Maria Elisabeth auf eigene Kosten ab 1734 durchgeführten Renovierungen wurde aus Seebenstein keine Ruine.

Noch einmal sollte Seebenstein Schauplatz glanzvoller Feste werden. 1788 pachtete Anton Steiger das Bergschloss und machte es zum Sitz der 1790 von ihm gegründeten "Wildensteiner Ritterschaft zur blauen Erde", die sich der romantischen Pflege des Rittertums, der Religion, dem Kaiserhaus und der Ausübung humaner Werte verpflichtete. Trotz hochrangiger Mitglieder, darunter Erzherzog Johann, geriet die Ritterschaft nach dem Wiener Kongress unter den Verdacht konspirativer Tätigkeit und wurde 1823 aufgelöst. Steiger überließ die Burg und seine Sammlungen dem Fürsten Johann I. von Liechtenstein. Der neue Besitzer nahm zahlreiche romantische Veränderungen an Seebenstein vor, vor allem die Scheinruine des "Türkensturz" wurde zu einem markanten Zeichen in der Landschaft. Auch das Talschloss wurde umgestaltet und erhielt einen englischen Landschaftsgarten.

Seebenstein blieb bis in die Nachkriegszeit im Besitz der Liechtenstein. Das Talschloss wurde nach der Zerstörung durch die Rote Armee demoliert und der Grund gemeinsam mit dem Schlosspark parzelliert. Das Bergschloss ist seit 1948 in Privatbesitz.