Friedersbach


Gemeinde Zwettl-Niederösterreich

Ortsgeschichte

Friedersbach (Stadtgemeinde Zwettl) liegt südöstlich der Stadt zwischen Zwettl und dem Ottensteiner Stausee. Die Anfänge der Siedlung reichen in das 12. Jahrhundert zurück. Die Gründung an zwei Fernstraßen, die über Zwettl nach Oberösterreich und in den Süden nach Spitz führten, erfolgte durch die Herren von Rauheneck (Stammburg Rauheneck bei Baden). Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1159, als Bischof Konrad von Passau die auf einer Anhöhe liegende St.-Lorenz-Kapelle zur Pfarrkirche erhob.

Der befestigte Sitz der Rauhenecker zur Zeit der Herrschaftsgründung wird allgemein im Bereich des Kirche-Pfarrhof-Komplexes angenommen und jenen frühen Burgenanlagen zugerechnet, die im Siedlungsverband und in engem Bezug zu einem Kirchenbau errichtet wurden. Friedersbach war im Mittelalter eine der bedeutendsten Pfarren des Waldviertels und erhielt 1608 von Kaiser Rudolf II. das Marktrecht.

Im Spätmittelalter war der Ort wirtschaftliches und seelsorgliches Zentrum der Herrschaft Lichtenfels. Die über dem Ottensteiner Stausee thronende Burg Lichtenfels dürfte in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut worden sein und war bis 1335 im Lehensbesitz der Tursen von Lichtenfels, eines bedeutenden Ministerialengeschlechts, das den Herren von Rauheneck entstammte. Die erste gesicherte Nennung von Lichtenfels ist die Urkunde des Hugo von Lichtenfels von 1248, mit der er die Pfarrstiftung mit dem ehemaligen Herrensitz in Friedersbach bestätigte.

Die Friedersbacher Wehrkirchenanlage mit der im Kern romanischen Pfarrkirche, dem Pfarrhof, dem Karner und dem Friedhof macht bis heute einen wehrhaften Eindruck, verstärkt durch die mächtigen Friedhofsmauern. An das romanische Langhaus der Kirche sind nördlich und südlich Seitenkapellen mit Halbkreisrundapsiden angebaut. Der romanische Westturm mit dem 1958 freigelegten Rundbogenportal, Schlitzfenstern und Zwillingsbogenfenstern entstand im 13. Jahrhundert, der gotische Rundkarner um 1350. Teile der Kirchhofummauerung stammen aus dem 12./13. Jahrhundert, auch der an die Friedhofsmauer anschließende Pfarrhof ist teilweise mittelalterlich. 1408 erhielt die Kirche einen gotischen Chor. In vier Chorfenstern haben sich Glasgemälde aus der Zeit um 1420 und 1479 erhalten. Als Stifter wird unter anderen Ulrich Öder von Öd genannt, der 1408 als landesfürstlicher Pfleger auf Lichtenfels erscheint. Während der Hussiteneinfälle 1427 und 1428 wurden Archiv und Klosterschatz des Stiftes Zwettl auf Lichtenfels in Sicherheit gebracht. Während die Burg verschont blieb, wurde Friedersbach verwüstet.

Ab dem 15. Jahrhundert kam es in der Herrschaft Lichtenfels zu einem häufigen Besitzerwechsel. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde die mittelalterliche Burg modernisiert und in ein Wohnschloss der Renaissance und des Frühbarock umgestaltet. 1623 gelangte die Herrschaft als freies Eigen an Hans Unterholzer von Kranichberg, der sie mit Rastenberg vereinigte und den Besitz von dort aus verwaltete. Lichtenfels verlor an Bedeutung und begann schließlich Ende des 18. Jahrhunderts unter den Freiherren von Bartenstein (ab 1774) zu verfallen. 1790 wurden Teile der Dächer an Zwettl verkauft, 1804 die letzte Wohnung verlassen.

Seit 1872 ist die Burgruine im Besitz der Familie Thurn-Valsassina. Von der Anlage des 13. Jahrhunderts haben sich die zwei Haupttürme, der Bergfried und der Turm mit der Burgkapelle (romanische Apsis) in voller Höhe erhalten.