Ortsgeschichte
Acht Kilometer südlich von Laa an der Thaya, an der alten Straße von Korneuburg über Ernstbrunn nach Laa, liegt die Gemeinde Gaubitsch, die heute die Katastralgemeinden Altenmarkt, Gaubitsch und Kleinbaumgarten umfasst. Gaubitsch ist Teil der Kleinregion Land um Laa, die sich 1995 konstituiert hatte.
Die Besiedlung des im Süden der Laaer Ebene gelegenen Gebietes reicht bis ins Neolithikum zurück. Gaubitsch taucht erstmals in einer am 14. Dezember 1055 ausgestellten Urkunde auf, in der Kaiser Heinrich III. dem Frauenkloster Passau u.a. die villa Gewatisprunnen übertrug. Das hohe Alter der Siedlung und die enge Beziehung zu Passau belegt auch die Weihe der Pfarrkirche: der Erzmärtyrer Stephan ist Patron der Diözese Passau. Lehensnehmer von Gaubitsch waren in der Folge die Herren von Machland, dann die Herren von Seefeld und ab dem 13. Jahrhundert die Maissauer. Zumindest ab dem Ende des 16. Jahrhunderts unterstand Gaubitsch der Herrschaft Loosdorf. Während des Schwedeneinfalls im Dreißigjährigen Krieg wurden Dorf und Kirche zerstört, die Erdställe ausgeräuchert und an die 50 Bauern auf den Feldern niedergemetzelt.
Die Pfarre wurde nach 1055 von Passau aus gegründet. Der im Nordosten des Ortes auf einer Anhöhe gelegene Kirchenbau besteht im Kern aus einem romanischen Langhaus, an das in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ein gotischer Chor angebaut wurde. In der Barockzeit erfolgten An- und Umbauten. Der der Westfront vorgestellte wuchtige Turm wurde im 19. Jahrhundert umgebaut. Die barocke Einrichtung wurde im Zuge einer durchgreifenden Restaurierung ab 1834 durch neogotische (Hochaltar) bzw. neobarocke Altäre ersetzt. Der Karner wurde 1825 zu einem Schüttkasten umfunktioniert, bis er 1852 abgebrochen wurde.
Schweickhardt beschrieb Gaubitsch in seiner Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens 1834 als Kirchdorf mit 111 Häusern, die mehreren Grundherrschaften unterstanden: Behauste Untertanen hatten hier die Pfarren Fallbach und Gaubitsch, die Propstei Staatz, das Bistum Passau, der Magistrat Laa, die Kapellen zu Schoderle und Hagendorf, ferner die Herrschaft Gaubitsch, Staatz, Hagenberg, Asparn an der Zaya, Altprerau und Loosdorf. Der Seelenstand umfasste 125 Familien (300 männliche, 320 weibliche Personen und 60 Schulkinder). Der Viehstand belief sich auf 59 Pferde, 124 Kühe, 1180 Schafe und 200 Ziegen. Der Grund für die große Zahl an Schafen war die Schäferei der Herrschaft Loosdorf in Gaubitsch. Auf den meist fruchtbaren Böden wurde Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Mais angebaut. An Gewerben waren ein Schuhmacher, ein Schneider, ein Fleischhauer, ein Tischler, ein Sattler, ein Krämer und zwei Schmiede vertreten. Ein Großbrand vernichtete 1834 34 Wohnhäuser und die Wirtschaftsgebäude. Nachdem bereits 1832 und 1855 Choleraepidemien die Bevölkerung dezimiert hatten, wurde 1866 durch die Einquartierung preußischer Soldaten wieder die Cholera eingeschleppt, der 67 Einwohner:innen zum Opfer fielen.
In Gaubitsch war ab dem 1. September 1939 bis zu seiner Festnahme 1940 Friedrich Karas als Kaplan tätig, der ein Jahr später im Konzentrationslager Dachau interniert wurde. Als „lebensunwert aussortiert“ wurde er am 28. März 1942 in der NS-Tötungsanstalt Schloss Hartheim vergast. Während der letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges tobten in Gaubitsch heftige Kämpfe zwischen der auf den Rückzug befindlichen Truppen der deutschen Wehrmacht und der vordringenden Roten Armee. An die 40% der Ortschaft wurde zerstört. Dabei wurde auch die Pfarrkirche in Mitleidenschaft gezogen. Die Gewölbe des Langhauses stürzten ein und wurden durch eine Kassettendecke ersetzt.
Im Zuge der angestrebten Kommunalstrukturverbesserung wurden mit 1. Jänner 1972 Gaubitsch und Unterstinkenbrunn zur Gemeinde Gartenbrunn zusammengelegt. Mit 1. Jänner 1995 wurde der Zusammenschluss wieder aufgehoben. Mit Bescheid vom 24. Oktober 1995 verlieh die Niederösterreichische Landesregierung der wiedererstandenen Gemeinde Gaubitsch ein Wappen: In einem goldenen Schild ein auf einem grünen Ast mit daran hängender grüner Weintraube sitzender, zum Flug bereiter naturfarbener Kiebitz. Die vom Gemeinderat festgesetzten Gemeindefarben Schwarz-Gelb-Grün wurden genehmigt.