Großrußbach


Gemeinde Großrußbach

Ortsgeschichte

Die Marktgemeinde Großrußbach liegt im südlichen Weinviertel östlich der Laaer Bundesstraße (B6). Sie besteht heute aus den Katastralgemeinden Großrußbach, Hipples, Karnabrunn, Kleinebersdorf, Weinsteig und Wetzleinsdorf. 

Für den Ort namensgebend ist der Rußbach. Die Pfarre Großrußbach durfte bereits um 1050 entstanden sein. 1135 wird sie unter den dreizehn landesfürstlichen Patronatspfarren angeführt, auf deren Einkünfte Markgraf Leopold III. zugunsten des Bistums Passau verzichtete. 1161 dotierte Herzog Heinrich II. Jasomirgott das neugegründete Schottenstift in Wien mit Gütern in Ruspach. Im zweiten Drittel des 12. Jahrhunderts wurde Rußbacher Besitz an das Stift Klosterneuburg und das Schottenstift in Wien geschenkt. Auch das Kloster Zwettl wurde mit vier Bauerngütern durch den Herrn von Rußbach bedacht, die mehr als hundert Jahre in den Urkunden angeführt wurden. 1360 erhielt Leopold von Sachsengang, Domherr zu Passau, unter Verzicht auf die ihm unterstehende Pfarre St. Stephan in Wien, die Pfarre Rußbach. Die Herren von Dachsenpeckh, die um die Wende des 14. Jahrhunderts großen Besitz in Karnabrunn erworben hatten, wurden 1453 im Bestand des Ungeldes von Karnabrunn, Großrußbach, Ritzendorf und Schweinsteig genannt. 1455 und ca. 1500 werden Lehen im Besitz des Heiligenkreuzer Stiftes bestätigt, die später wieder verkauft wurden.

Ende des 15. Jahrhunderts wird das Geschlecht der Alhartspeckh zu Rußbach genannt, das 1562 erlosch. In Rußbach erhielten die Eiczinger Besitz, als 1475 der Augustiner Konvent Stephan Eiczinger seine Besitzrechte auf fünf behausten Gütern zu großen Rustpach verkaufte.

Zur Zeit der Osmanenbedrohnung 1529 musste der Ort 19 Gulden Türkensteuer abliefern. Das kirchliche Visitationsprotokoll des Jahres 1544 nennt ausdrücklich Seine Kaiserliche Majestät als Lehens- und Vogtherrn und zählt die reichen Einkünfte der Pfarre auf. 1565 starb Pfarrer Jacob Senft, der sich der protestantischen Lehre angeschlossen hatte, und hinterließ eine Frau und mehrere Kinder. Sein Nachfolger Leopold Crusius verehelichte sich ebenfalls (1572). Kardinal Melchior Khlesl erhielt 1615 die reiche Pfarre zugewiesen. Er hatte durch seine eifrigen gegenreformatorischen Tätigkeiten viele zum katholischen Glauben bekehrt. Vermutlich hielt er sich nicht allzuoft in Rußbach auf, aber er ließ 1616 ein neues Grundbuch anlegen. Als die Pfarre einige Zeit unbesetzt geblieben war, befahl Kaiser Karl VI. als Lehensträger, dass die reichen Einkünfte der Pfarre 1721 und 1722 zur Erbauung eines Gefangenenhauses in Wien zu verwenden wären. 1724 wurde Moriz Gustav Graf von Manderscheid und Geroldstein als Pfarrer von Rußbach installiert, er wurde 1733 zum Fürsterzbischof von Prag ernannt. 1751 veranlasste Maria Theresia, dass die Pfarre Großrußbach „auf ewig“ in das Collegium nobilium Theresianum integriert würde, mit einem Zwischenspiel, bis 1812 die Herrschaft endgültig an die Theresianische Ritterakademie überging. Das unterhalb der Kirche gelegene Schloss stammt im Kern noch aus dem 15./16. Jahrhundert. Die 1739 barockisierte Anlage entstand durch den Ausbau des ehemaligen Pfarrhofes. 

1795/96 verzeichnete der Topographische Landschematismus für den Markt 107 Häuser. Das Landgericht übte die Herrschaft Karnabrunn aus, die Ortsobrigkeit lag bei der Herrschaft Großrußbach. Untertanen und Grundholden gehörten zu den Grundherrschaften Großrußbach, Karnabrunn, Niederkreuzstetten, Stift Klosterneuburg, Poysbrunn, Niederleis und Pfarre Gaunersdorf. 1835 beschrieb Schweickhardt in seiner Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens den Ort als Markt mit 118 Häusern, in denen 147 Familien lebten – 298 männliche, 362 weibliche Personen und 115 schulfähige Kinder. Der Viehstand belief sich auf 56 Pferde, 141 Kühe, 198 Schafe, 15 Ziegen und 45 Schweine. Kaiser Ferdinand I. erneuerte 1847 die Marktrechte; das Privileg bestätigte die Abhaltung dreier Markttage: am Montag nach Valentin im Jänner, am Dienstag vor Lorenz im August und am Theresientag im Oktober. Zumindest seit dem 17. Jahrhundert gab es überdies den Karfreitagsmarkt, der noch bis 1965 abgehalten wurde.   

Nach Aufhebung der Grundherrschaft wurde Großrußbach eine eigenständige Gemeinde. Sie unterstand dem Bezirksamt und dem Untersuchungsgericht Korneuburg und zählte laut Eintragung im Alphabetischen Verzeichnis sämmtlicher Orte des Kronlandes Niederösterreich 694 Einwohner:innen. Ende des 19. Jahrhunderts ging Gut Großrußbach mit Kaufvertrag an Lothar Pfisterer, der es am 15. März 1948 dem Erzbistums Wien übertrug. In den Jahren 1948–1953 sowie 1980/81 erfolgten weitere Baumaßnahmen in Zusammenhang mit der Widmung des Schlosses als Bildungsheim der Erzdiözese Wien. Die Eröffnung fand 1953 statt. 

Auf Basis der „Gesetze über die Verbesserung der Kommunalstruktur in Niederösterreich“ (mindestens 1000 Einwohner erforderlich, um eine selbstständige Gemeinde zu sein) schlossen sich mit Wirkung vom 1. Jänner 1971 die Orte Hipples, Kleinebersdorf und Weinsteig mit Großrußbach zur Großgemeinde zusammen; am 1. Jänner 1972 folgten Karnabrunn und Wetzleinsdorf.  Mit Bescheid vom 24. Juni 1980 verlieh die NÖ Landesregierung der Marktgemeinde ein Wappen: Ein von Silber auf Grün geteilter Schild, oben ein aus der Schildesteilung wachsender roter Wolf, unten zwei gekreuzte silberne Schreibfedern, die von einer goldenen Ähre gebunden werden. Die Gemeindefarben Rot-Weiß-Grün wurden genehmigt.

Das Bildungshaus der Erzdiözese Wien wurde 2021 geschlossen und im darauffolgenden Jahr an einen privaten Unternehmer veräußert. Die im Schloss untergebrachten öffentlichen Einrichtungen – Veranstaltungsräume, Bücherei, Vikariatsbüro und Kapelle sowie der öffentliche Zgang zum Schlosspark – blieben erhalten.