Absdorf


Gemeinde Absdorf

Ortsgeschichte

Südlich des Wagrams – dort, wo die Schmida den Wagram durchbricht und das Tullnerfeld erreicht, liegt die Marktgemeinde Absdorf, 1849 durch die Zusammenlegung der Orte Ober- und Unterabsdorf und Absberg entstanden.

Besiedlungsspuren finden sich seit der frühen Bronzezeit. Auf urzeitliche Fundplätze stieß man im Gebiet von Absberg und in einer Schottergrube auf der Flur Scheibenberg. Ein einstmals östlich des Ortes auf der Hochfläche des Wagrams gelegene Grabhügel der Hallstatt-Zeit, im Volksmund Schwedenhügel genannt, wurde eingeebnet. Bei Grabungen fanden sich Überreste von Urnen und Gefäßen, Leichenasche, Knochen und zwei henkellose Schalen. Man stieß auch auf Reste eines größeren Gräberfeldes der mittleren Latènezeit. Auf dem Absberg fand sich ein slawisches Gräberfeld mit Speise- und Trankbeigaben, Tierknochen, Eiern und Gefäßen.

Erstmals wird der Ort in zwei Besitzbestätigungsurkunden der Jahre 1011 und 1019 als „Abbatesdorf“, „Abbstorf“ bzw. „Abbadorf“ erwähnt. Mit diesen Urkunden bestätigte Kaiser Heinrich II. dem bayerischen Kloster Niederaltaich die Schenkung von zehn königlichen Huben, die im 9. Jahrhundert erfolgt war. Bis ins 18. Jahrhundert gab es für den Ort keine einheitliche Schreibweise. Eine „ecclesia Abbatisdorf“ wird erstmals in einer Urkunde des Jahres 1148 genannt. Bis in das Spätmittelalter verwaltete der Wirtschaftshof in Absberg die Besitzungen des Klosters Niederaltaich in Niederösterreich. 1245 besaß das Kloster in Oberabsdorf 16 ganze und ein halbes Lehen sowie sechs Hofstätten. Zumindest seit 1258 gab es hier auch eine Mühle. Aus der Mitte des 15. Jahrhunderts ist ein Weistum (=Rechtshandschrift) für Oberabsdorf überliefert. Der älteste erhaltene Text für Unterabsdorf dürfte im frühen 16. Jahrhunderts entstanden sein. In beiden Orten wurde jeweils zu St. Georg, St. Michael und Maria Lichtmess tagte das Dorfgericht unter dem Vorsitz des Dorfrichters.

Im Jahr 1570 verkaufte der Niederaltaicher Abt den Besitz in Ober- und Niederabsdorf an Graf Heinrich von Hardegg. Dieser erwarb das Gut Oberabsdorf um 5500 Gulden. Nach dessen Tod ließ seine Gemahlin Anna Maria von Hardegg 1588 ein Schloss als Witwensitz am westlichen Ende des Ortes errichten. Zum Schloss gehörten 200 Joch Äcker, 73 Tagwerk Wiesen, elf Viertel Weingärten, 183 Joch Auen und der Zehent von 52 Häusern in Oberabsdorf. 1617 erwarb Sigmund Ludwig von Polhaimb den Besitz. Bereits dreizehn Jahre später fiel er durch Kauf wieder an die Grafen von Hardegg. Bis zur Aufhebung der Grundherrschaft 1848 war die Familie Hardegg auf Stetteldorf der Grundherr.

Die Besitzer von Unterabsdorf wechselten deutlich öfter. Die älteste bekannte Nennung erfolgte 1390 als „Nidern-Abstorff“. Im 15. Jahrhundert traten die Neudegger als Eigentümer auf. Zu Beginn des 16. Jahrhundert folgte ihnen Hans Lamberg von Weierburg, der auch im Weistum aufscheint. Dann ging der Besitz an die Winkelbergs über, ein bayrisches Adelsgeschlecht, das seit 1258 das Schloss Winkelberg in Mitterstockstall besaß. Schließlich belehnte 1601 Kaiser Rudolf II. Georg Friedrich von Hardegg auf Stetteldorf mit dem Gut Unterabsdorf.

Ursprünglich gehörte Oberabsdorf zum Mutterpfarrbezirk Kirchberg am Wagram. Den ersten Hinweis auf eine mögliche Pfarre liefert eine Urkunde aus dem Jahr 1270, in der ein „heinricus plebanus de Abtstorf“ als Zeuge auftritt. Obwohl das Benediktinerkloster Niederaltaich auch nach dem Verkauf seiner Besitzungen das Patronatsrecht besaß, bestellte 1580 Gräfin Anna Maria von Hardegg einen protestantischen Prediger. Grundherr und Bevölkerung schlossen sich der Reformation an. Priestermangel und vermutlich auch der desolate Kirchenbau führten dazu, dass die Oberabsdorfer den Gottesdienst in der St. Nikolai-Kirche zu Stetteldorf besuchte. Der vielleicht schon aus dem 11. Jahrhundert stammende Kirchenbau wurde schließlich 1742 abgebrochen. An seiner Stelle wurde eine einfache barocke Saalkirche errichtet. Im Zuge der Pfarrneuorganisation des Pfarrwesens unter Kaiser Joseph II. wurde 1784 die Pfarre Oberabsdorf eingerichtet, zu der nun auch Unterabsdorf und Inkersdorf gehörten. Ein Pfarrhof wurde im folgenden Jahr erbaut.

Nach Schweickhardts Beschreibung des Viertels unter dem Manhartsberg, 1833 erschienen, umfasste Oberabsdorf 80 Häuser mit 93 Familien. Der Viehbestand belief sich auf 54 Pferde, 1 Ochse, 120 Kühe, 775 Schafe und 65 Schweine. Unterabsdorf war kleiner und zählte nur 54 Häuser mit 67 Familien. In den Ställen und auf den Weiden standen 51 Pferde, 2 Ochsen, 119 Kühe, 142 Schafe und 101 Schweine. Über die Schmida führten zwei Brücken. Die Bevölkerung lebte vom Acker-, Wein- und Obstbau. Sie baute auch Safran an, dessen Qualität – so Schweickhardt – besser als die Importware aus Frankreich war. Die Wein- und Obstkeller befanden sich „im Innern des Abtsberges“. Zu leiden hatte die Gegend durch die immer wiederkehrenden Überschwemmungen durch Schmida und Donau. Mit der Aufhebung der Untertänigkeit wurden neue Gemeinden geschaffen. Bereits 1849 entstand so die Gemeinde Absdorf aus den Orten Ober- und Unterabsdorf. Absdorf unterstand nun dem Bezirksgericht Oberstockstall. Nach dessen Auflösung bzw. Verlegung nach Kirchberg am Wagram 1854 war das für Absdorf zuständige Gericht nun das Bezirksgericht Kirhberg am Wagram. Der erste Bürgermeister der neu geschaffenen Gemeinde war Andre Zeh. Zum Bau eines Gemeindehauses kam es erst 1907.

Bis zum Bahnbau war die nächstgelegene Poststation Weikersdorf. Mit dem Bau der Kaiser Franz-Joseph-Bahn und ihrer Stichbahnen wurde Absdorf zu einem Bahnknotenpunkt. Die Strecke Wien-Eggenburg wurde 1870 eröffnet, bereits zwei Jahre später die Abzweigung von Absdorf nach Krems. 1904 wurde schließlich die Lokalbahn Absdorf-Stockerau in Betrieb genommen. Der Bahnhof bot bis zu 160 Menschen Beschäftigung.  

Schon in den Matrikenbücher des 17. Jahrhunderts der Pfarre Stetteldorf werden Schullehrer in Absdorf erwähnt. Bis zum Bau der neuen Schule 1878 (heute Oskar-Mann-Heimatmuseum) wurde im Haus „Oberabsdorf 70“ unterrichtet. Nach der Beschreibung aus dem Jahr 1839 handelte es sich um eine typische Dorfschule mit nur einem Klassenzimmer. Im Lehrzimmer standen zwölf Schulbänke. Der Neubau erwies sich bald zu klein und erfuhr mehrere Anbauten. Erst 1968 wurde ein neuer Volksschulbau eröffnet werden. In Unterabsdorf wurde auf Betreiben der Landesregierung 1900 ein Landes-Kinderheim eröffnet. Sinn und Zweck dieser Heime war es, Waisen in einem Familienverband aufwachsen zu lassen. Sie sollten „im Landbau“ unterrichtet und so zu nützlichen Arbeitskräften herangezogen werden.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden 1941 die Gemeinden Absdorf, Utzenlaa, Hippersdorf und Zaussenberg zu einer „Bürgermeisterei“ vereint. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges nahm man 1951 die Regulierung der Schmida in Angriff, die 1957 abgeschlossen war. Als Würdigung für die erfolgreichen Bemühungen um eine Verbesserung der Infrastruktur sowie für die Bedeutung als Bahnknotenpunkt wurde Absdorf 1964 zum Markt erhoben. Das Marktwappen zeigt in seiner linken silbernen Hälfte eine Bischofsinfel mit Stab (Symbol für Kloster Niederaltaich) und in seiner rechten vor blauem Grund ein halbes goldenes Flügelrad, unterlegt mit einer goldenen Ähre (Symbol für Eisenbahn und Landwirtschaft). Im Schildfuß befindet sich ein grüner Dreiberg. 1987 wurde in den Räumlichkeiten der alten Volksschule das Oskar-Mann-Heimatmuseum eingerichtet. Träger ist der Kultur- und Verschönerungsverein Absdorf.