Annaberg


Gemeinde Annaberg

Ortsgeschichte

Die Gemeinde Annaberg umfasst heute die Katastralgemeinden Annarotte (mit den Orten Annaberg, Äußere Schmelz, Innere Schmelz, Koteau, Pfarralm und Schmelz), Haupttürnitzrotte, Langseitenrotte (mit den Orten Erlaufboden, Joachimsberg, Reith und Wienerbruck) und Lassingrotte (mit Sägemühle).

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts bestand hier vermutlich bereits eine Burg der Herren von Tannenberg. 1217 schickte dann das Stift Lilienfeld Mönche und Brüder auf den Tannberg, um dort eine Grangie (Wirtschaftshof) zu gründen und die Gegend urbar zu machen. Mauerreste dieser frühen Gebäude vermutet man im Bereich der barocken Sakristei. Die alte hölzerne Kapelle wurde im 14. Jahrhundert (1332) erneuert: Bischof Albertus von Passau weihte in Anwesenheit des Abtes Ottokarus von Lilienfeld und des Propstes Henricus von St. Pölten den Bau. Das Anwachsen der Wallfahrten machte einen Aus- und Neubau nötig. An die „neue Kapelle St. Anna", die nun den Chor bildete, wurde ein Langhaus angebaut. Am 8. Jänner 1444 weihte der Passauer Suffraganbischof Johannes Victricensis den neuen Kirchenbau und die Altäre.

Seit dem 16. Jahrhundert entstanden rund um die Wallfahrtskirche, die 1504 die Pfarrrechte erhielt, Herbergen zur Versorgung der Pilger*innen. Annaberg wurde zu einer wichtigen Station auf der Via Sacra, dem Weg von Wien nach Mariazell. Das älteste erhaltene Votivbild stiftete die stumme Wienerin Maria Rottenstötterin, die am 12. Juli 1633 hier  in Annaberg ihre Stimme wieder erhielt. Das älteste Wallfahrtsbuch stammt aus dem Jahr 1650. Noch um 1900 besuchten an die 80.000 Gläubige den Wallfahrtsort. 1639 verwüstete ein Großfeuer den Ort. Kaiser Ferdinand II. und seine Gemahlin Eleonore unterstützten mit Spenden den raschen Wiederaufbau.

Ein weiterer bedeutender wirtschaftlicher Faktor stellten die Bergwerke dar. Die erste urkundliche Erwähnung von Erzabbau stammt aus dem Jahr 1499. In der Ortschaft Schmelz war von 1751 bis 1807 ein Silberbergwerk in Betrieb. In der dortigen k. k. Schmelz bestand eine Münzstätte, in der von 1758 bis 1765 Maria-Theresien-Taler geprägt wurden. Auch die Annabildchen wurden hier gegossen. Münzprägungen erfolgten bis 1821. Das Eisenerz wurde in den Schmelzöfen des oberen Lassingtales verhüttet. Die Verarbeitung der Zinn- und Kupfererze erfolgte in einer Messingfabrik.  

Der Weg über Annaberg, Joachimsberg und Josefsberg wurde 1738-1747 zu einer der bedeutendsten Kunststraßen – der sog. Kaiserstraße – ausgebaut. Schweickhardt beschrieb 1836 den Ort als Pfarrdorf mit 30 Häusern. Die hier lebenden Waldbauern verdienten sich ein Zubrot durch den Vorspann im Sommer und durch die Gastwirtschaften, die sie betrieben. 1847 wurde die Straße durch das Türnitztal neu angelegt.

Durch den Bau der Mariazellerbahn, 1907 eröffnet, wurde die Gegend um Annaberg für den einsetzenden Fremdenverkehr erschlossen. Auf dem Tirolerkogel in 1377 m Seehöhe errichtete die Ortsgruppe des Gebirgsvereins 1907/8 eine Schutzhütte, das Annabergerhaus. Annaberg wurde wegen der schneesicheren Lage zum „Niederösterreichischen Arlberg“. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann man in Annaberg auch mit einer eigenen Schiproduktion. Bekannt war Ignaz Nutz im Ortsteil Schmelz, der die ersten Bretteln mit einem „Riemen-Gfaßt“ (Vorläufer der Bindung) entwickelte. 1956 wurde der erste Schlepplift am Pfarrboden eröffnet. Heute erschließen zwei Sessellifte, ein Schlepplift und ein Tellerlift das Schigebiet Annaberg.

Mit Bescheid vom 31. Jänner 1978 verlieh die NÖ Landesregierung der Gemeinde ein Wappen: „Ein gespaltener Schild, vorne im blauen Feld schwebend eine goldene Darstellung der hl. Anna, die auf einem Stuhl sitzend Maria das Lesen lehrt, hinten im roten Feld eine silberne Binde.“ Die eingereichten Gemeindefarben Blau-Weiß-Rot wurden genehmigt.