Böheimkirchen


Gemeinde Böheimkirchen

Ortsgeschichte

Zwischen St. Pölten und Neulengbach liegt der Markt Böheimkirchen Der Name des Ortes deutet auf eine Ansiedlung, in der es schon im 9. Jahrhundert eine (hölzerne) Kirche für Böhmen („Nordslawen“) gab. Ein weiterer Beleg für eine „böhmische“ Besiedlung findet sich in einer Urkunde Herzog Heinrichs von Bayern (985/991 n. Chr.) mit dem Eintrag „Persenicha […] quod tempore Boemani insidendo arabant“ („Persenicha […] wo gegenwärtig dort siedelnde Böhmen die Felder bestellen“). Der Flussname Perschling ist ebenfalls slawischen Ursprungs und bezeichnet einen „Bach, an dem Birken wachsen“. Im 11. Jahrhundert liest man dann von „Peihaimschirchen“.

Die Gegend wurde bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt: Das belegen Feuerstein-Faustkeile, Steinklingen und Steinbeile. Aus der Bronzezeit ist ein Siedlungsfeld mit Wohngruben im Bereich des Kirchenbezirkes dokumentiert. Die Römerstraße von Tulln nach St. Pölten zog nördlich der Gemeindegrenze vorbei, während der „Rittsteig“ (der Altstraßenzug) durch das Gemeindegebiet verlief.

Für das Jahr 1130 ist mit Reginberth de Pehemchirchen ein kleinadeliges Geschlecht belegt, das im Gefolge der hochfreien Herrn von Asparn an der Zaya stand. Südwestlich von Böheimkirchen auf einer Flussterrasse der Perschling findet sich ein von einem Graben umschlossener Hügel, das „öde Schloß“. Hier befand sich die einstige Veste Wolfsberg, der Sitz der Vogteiherrschaft.

Bis 1180 war das Bistum Passau im Besitz der Kirchensiedlung am Berg. Böheimkirchen war zu diesem Zeitpunkt bereits Pfarre. Nach 1180 unterstand die Pfarre dem Chorherrenstift St. Pölten und blieb bis 1784 dessen Pfarre.

Das Siedlungsgebiet erstreckt sich zwischen Perschling und Michelbach. Auf dem „Berg“ befanden sich die Wehrkirche mit dem sie umgebenden Friedhof und der Pfarrhof. Bereits im 13. Jahrhundert dürfte es hier bereits eine Schule gegeben haben; für 1532 ist der erste Schulmeister belegt. Das Marktprivileg erhielt Böheimkirchen 1443 zugesprochen; 1451 verlieh Kaiser Friedrich III. dem Markt das Recht, montags einen Wochenmarkt und zu St. Jakob einen Jahrmarkt abzuhalten. Der Jahrmarkt ist noch heute ein vielbesuchtes Volksfest. Nach dem Einbruch der Osmanen 1529 war der Markt verwüstet.

Die Lehren Luthers fanden in der Umgebung großen Zulauf, gefördert von Adeligen wie Jörger von Pottenbrunn, Grabner von Zagging, David von Trauttmannsdorff auf Totzenbach etc. 1574 setzte der St. Pöltner Propst den „sektiererischen“ Böheimkirchner Pfarrer ab. Noch 1659 verfassten 21 Pfarrer des „Viertels ob des Wienerwaldes“ das sog. „Bekanntnuß“ für die protestantische Religion. Trotz der Erfolge der Gegenreformation fanden sich noch 1670 einige Evangelische in Wiesen und Grafendorf. Im „Türkenjahr“ 1683 wurde Böheimkirchen wieder verwüstet. Laut Schadensverzeichnis von 1684 blieben von der Kirche nur der Turm und das Presbyterium stehen, 23 Bürgerhäuser waren ausgebrannt.

Im 18. Jahrhundert erlebte der Markt einen wirtschaftlichen Aufschwung; allerdings zerstörten 1734 und 1786 Großbrände die Mehrzahl der Häuser. Das 19. Jahrhundert brachte den Ausbau der Straße von Neulengbach nach St. Pölten. Dabei wurden 1833/34 erstmals Brücken in Böheimkirchen, Michelbach und Perschling errichtet. Der Ausbau der Infrastruktur führte zur Eröffnung eines Postamtes (1851) und die Anbindung an die „Kaiserin-Elisabeth-Westbahn“: 1858 wurde der Bahnhof in Hinterholz errichtet. 1867 folgten ein Geldanweisungsinstitut und der Telegrafendienst. Die Versorgung mit elektrischem Strom übernahm die 1920 gegründete Lichtgenossenschaft. 1926 gründeten die Kreuzschwestern aus Laxenburg einen Kindergarten; eine Bürgerschule wurde errichtet, die 1929 auf zwölf Klassenzimmer erweitert und zur Hauptschule umgewandelt wurde.

Während der Rückzugsgefechte des Jahres 1945 starben im Ortsgebiet etwa 230 Menschen. 1952 erhielt Böheimkirchen ein neues Marktwappen. Es zeigt im rechten Feld einen aufrecht stehenden roten Passauerwolf auf silbernen Grund und im linken Feld auf blauem Grund einen grünen Hügel, der eine von zwei Zinnentürmen flankierte goldfarbene Wehrkirche trägt. Mit der Anbindung an die Westautobahn 1988 entstand im Süden ein neues Ansiedlungsgebiet für Industrie.