Engelhartstetten


Gemeinde Engelhartstetten

Ortsgeschichte

Am östlichen Rande des Marchfeldes nahe Donau und March liegt die Marktgemeinde Engelhartstetten. Zu ihr gehören heute ferner die Orte Groißenbrunn, Loimersdorf, Markthof (ehemals Hof im Marchfeld), Schloßhof und Stopfenreuth.

Zwar stammt die älteste überlieferte Nennung des Ortes erst aus dem Jahr 1441, die Ansiedlung ist aber sicher älteren Datums. Die Besiedlung des Marchfeldes erfolgte schon seit dem 11. Jahrhundert. Vielleicht entstand die Ansiedlung im Zusammenhang mit der Schenkung Heinrichs IV. an das Bistum Passau 1067. Seit dem 13. Jahrhundert war der Personenname Engelhart nicht mehr gebräuchlich. Die Siedlungsform weist ebenfalls auf eine frühe Gründungszeit hin: Noch heute lassen sich der breite Linsenanger und die weit ausladenden Randstraßen (Nord- und Südweg) gut erkennen.

Im benachbarten Niederweiden befand sich seit dem Mittelalter ein Adelssitz, 1223 als „Weiden“, ab 1337 als „Grafenweiden“ belegt. Sie sollte die „Bernsteinstraße“ und den Marchübergang sichern. Vermutlich bestand im Ort auch eine Pfarre. Die Besitzer von Grafenweiden wechselten im Spätmittelalter häufig. 1437 gelangten die Arberger in ihren Besitz. Lienhart Arberger und seine Gemahlin Gertrud von Rohr terrorisierten von ihrem Ansitz aus das Marchfeld mit Raubzügen. Deshalb wurde die Burg 1448 belagert. Schließlich kam Pankraz Galicz von Liptau in ihren Besitz. Während der Kampfhandlungen mit den kaiserlichen Truppen wurden die Burg und zwei Basteien 1450 zerstört. Die Anlage blieb nun oder nach 1529 devastiert. 1595 erhielt Freiherr von Pranckh die „öde Feste“ und mit ihr Engelhartstetten verliehen. Er und sein Nachfolger Johann Ulrich Freiherr von Concin de Penna waren Förderer der protestantischen Lehre. Erst der Sohn Johann Ulrichs Johann Ernst übertrug das Patronatsrecht an den Bischof von Passau. Für 1666 wird dann eine Pfarre Engelhartstetten verzeichnet. Schließlich kamen Niederweiden und Engelhartstetten 1685 in den Besitz von Graf Rüdiger von Starhemberg. Seine Witwe verkaufte Schloss und Ortschaft 1727 an Prinz Eugen von Savoyen. Der Ort hatte immer wieder unter feindlichen Einfällen zu leiden: so Osmanen (1529 und 1683) und aufständische Ungarn (1701–1711). Die Einwohner flüchteten in die Auen der Donau und March oder suchten in entfernteren Orten Zuflucht. Dem Bevölkerungsschwund wurde durch die Ansiedlung kroatischer Familien entgegengewirkt.

Auch von Naturkatastrophen blieb er nicht verschont. Im August 1749 fielen Heuschreckenschwärme ein und vernichteten die Ernte. Noch gravierender wirkten sich die Hochwässer der March und der Donau aus. Zwischen 1012–1899 berichten die Chroniken von 152 Hochwässer, davon 48 besonders heftige. Oft entstanden sie im Winter, wenn sich auf den Flüssen die Eismassen stauten. So geschah es im Februar 1784, als die Donau über die Ufer trat und für 13 Tage das gesamte Marchfeld unter Wasser setzte. Am 28. Jänner 1809 verzeichnete man den höchsten Wasserstand seit Menschengedenken. Schweickhardt verzeichnete in seiner „Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens“ 82 Häuser mit 89 Familien. Der Viehstand belief sich auf 113 Pferden, 76 Ochsen, 135 Kühen, 71 Schafen und 78 Schafen. Die meisten Einwohner waren zu dieser Zeit Kroaten. Ein weiteres schweres Hochwasser suchte das südöstliche Marchfeld in den ersten Märztagen des Jahres 1830 heim. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zerstörten drei verheerende Brände nahezu den gesamten Ort (1815, 1825 und 1852). Beim Brand 1815 brannten auch das alte und das neue erst 1808 bezogene Schulhaus ab. Erst 1894 konnte ein neues Gebäude seiner Bestimmung übergeben werden. Die Poststation für Engelhartstetten lag in Hainburg an der Donau. Die Überquerung der Donau ermöglichte eine Plätte bei Stopfenreuth, die 1922 eine Rollfähre ersetzte. Am 28. Juni 1909 konnte die Lokalbahn Siebenbrunn-Leopoldsdorf-Engelhartstetten mit einer Abzweigung Breitstetten-Orth an der Donau eröffnet werden.    

Mit Beginn des Jahres 1971 schlossen sich die Gemeinden Engelhartstetten, Groißenbrunn, Loimersdorf und Stopfenreuth zur Großgemeinde Engelhartstetten zusammen. Ein Jahr später schloss sich dem Verbund die Marktgemeinde Markthof-Schloßhof an. Da Stopfenreuth und Markthof seit 1411 das Marktrecht besaßen, durfte sich die neu geschaffene Gemeinde als Marktgemeinde bezeichnen. Am 13. Jänner 1973 konnte endlich eine Donaubrücke eröffnet werden. Die neue Brücke war die mit 1900m die längste und mit 177m die höchste Donaubrücke Österreichs. Sie stellte endlich eine Straßenverbindung zwischen den Bezirken Gänserndorf und Bruck an der Leitha her. Als Anerkennung für die Leistungen der Gemeinde wurde Engelhartstetten mit Bescheid vom 17. Dezember 1985 ein Marktwappen verliehen: „Ein gespaltener Schild, vorne in Rot drei aus dem Schildesfuß wachsende goldene Ähren, hinten in Silber zwei beiderseits gezinnte rote Querbalken.” Die Gemeindefarben “Rot-Weiß-Gelb” wurden genehmigt. Im Jahr 1986 fand in Schloßhof und Niederweiden die Niederösterreichische Landesausstellung „Prinz Eugen und das barocke Österreich“ statt.