Gaweinstal


Gemeinde Gaweinstal

Ortsgeschichte

Die Marktgemeinde Gaweinstal liegt im Herzen des Weinviertels. Das Gemeindegebiet umfasst die Katastralgemeinden Gaweinstal, Atzelsdorf, Höbersbrunn, Martinsdorf, Pellendorf und Schrick und bildet seit 1972 die Großgemeinde Gaweinstal.

Der Ortsname dürfte auf einen slawischen Personennamen zurückgehen, der eingedeutscht als Guni wiedergegeben wurde. 1246 ist er urkundlich als Beiname eines Namens mit de Guninstorf belegt und tritt in weiterer Folge als Gunestorf (1250/60), Gauneinsdorf (1260/80) und schließlich als Gaunersdorf (1398) auf. Auf Ansuchen der Gemeindevertretung wurde 1917 der Ortsname von Gaunersdorf auf Gaweinstal abgeändert.

Schon früh, vermutlich bereits vor 1200, wurde Gaunersdorf eine eigene Pfarre; die Mutterpfarre war Großrußbach. In einer Urkunde vom 18. Juni 1230 bestätigte Wichard, Bischof von Passau, dem Schottenkloster zu Wien den bevorstehenden Erwerb des Patronatsrechtes der Pfarre Gaunersdorf. 1254 erfolgte eine Nennung im Lonsdorfer Pfarrverzeichnis. 1280 wurde das Patronatsrecht dann auch durch Rudolf von Habsburg dem Wiener Schottenstift übertragen. Das Markrecht erhielt der Ort vermutlich bereits um 1240/60 verliehen. 1360 bestätigte Herzog Rudolf IV., der Stifter, den Bürgern von Gawensdorf ihre Rechte und Freiheiten. Diese enthielten u.a. das Recht, von freitagnachmittags bis zum Vesperläuten am Samstag einen doppelten Wochenmarkt abzuhalten. Ladislaus Postumus erweiterte die Rechte um einen Markt zu Bartholomäi (24. August). Weitere Markttage kamen in den folgenden Jahrhunderten hinzu: unter Ferdinand I. 1549 der Georgimarkt (25. April), unter Ferdinand III. 1638 ein Markt am Andreastag (30. November) und schließlich 1837 unter Ferdinand I. ein Markt zu Maria Lichtmess (2. Februar). Für Gaunersdorf war seine Lage an der wichtigen Straßenverbindung (= Schlesische Straße, ab 1732 „Kaiserstraße“, heute Brünner Straße) von Wien über Brünn nach Schlesien und Russland ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.   

Während der Reformationszeit besaß Gaunersdorf zwei Kirchen: Die Ortsteile Markt-Gaunersdorf und Wieden-Gaunersdorf wurden lutherisch, Aigen-Gaunersdorf blieb katholisch. 1603 war die Rekatholisierung im Zuge der Gegenreformation abgeschlossen. Ganz Gaunersdorf mit seinen Ortsteilen war wieder katholisch. Besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde der Markt in den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges. Während des Schwedeneinfalls wurde der Markt in Brand gesteckt. Die Bewohner versteckten sich in den Erdställen, wo viele verhungerten oder durch Rauch erstickten. In der Folge forderten die Pestepidemien von 1679 bis 1682 ihre Opfer. 1704 brach ein Großbrand aus und vernichtete den Markt samt den Ortsteilen Aigen und Wieden. Dem Feuer fielen auch die Kirche und der Pfarrhof zum Opfer. Für zwei Jahre – 1753 und 1754 wurde die Funktion Gaunersdorf aufgewertet: Es wurde Sitz des Kreisamtes für das Viertel unter dem Manhartsberg.

Im 19. Jahrhundert wurde Gaunersdorf zweimal von der Cholera heimgesucht: 1855 (31 Tote) und dann wieder 1866 (16 Tote); preußische Truppen, die in der Gegend stationiert waren, schleppten die Krankheit ein. Der erste Versuch einer kommunalen Zusammenarbeit fand 1849 statt: Gaunersdorf, Atzelsdorf, Höbersbrunn und Pellendorf schlossen sich zu einer Großgemeinde zusammen. Der Verband hielt bis 1871. 1904 vereinigten sich die Gemeinden Aigen, Markt und Wieden zur Marktgemeinde Gaunersdorf. Am 12. September 1903 wurde die Lokalbahn Gänserndorf – Gaweinstal eröffnet; drei Jahre später war die Bahnverbindung nach Mistelbach fertiggestellt. 1917 erfolgte dann die Ortsnamenänderung von Gaunersdorf in Gaweinstal.

Während der letzten Kämpfe des Zweiten Weltkriegs lag Gaweinstal mitten im Kampfgebiet. Die vom 13. bis 23. April tobende Schlacht im Marchfeld war Teil der Offensive der russischen Truppen Richtung Prag. Die deutsche Wehrmacht wiederum verteidigte die Erdölfelder in der Region. Fliegerangriffe zerstörten fünf Häuser und beschädigten 180 Objekte in Gaweinstal.      

Im Jahre 2006 wurde der Marktgemeinde das Recht das Marktwappen zu führen, feierlich von der Niederösterreichischen Landesregierung zugesprochen und verliehen. Das Wappen zeigt einen auf Gold gelegten grünen Dreipass mit einem rot-weiß-roten Bindenschild. Die aus diesem Marktwappen abzuleitenden Farben der Marktfahne sind gelb-grün.