Greifenstein


Gemeinde Sankt Andrä-Wördern

Ortsgeschichte

Greifenstein liegt am nordöstlichen Ende des Wienerwaldes und wird heute dominiert von der erst in jüngerer Zeit erbauten Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Sorg mit ihrem mächtigen Turm. Die Geschichte des Ortes prägte jahrhundertelang die hochmittelalterliche Burg auf dem Steilabhang zur Donau und das Bistum Passau, in dessen Besitz Greifenstein seit seinen Anfängen war.

Schon 985/991 wird der "Hangintenstein", der hängende Stein, als  östlichster Grenzpunkt des Passauer Besitzes im Tullnerfeld erwähnt, vermutlich bezogen auf die Felsformation und nicht auf einen Sitz. Ausdrücklich genannt wird Burg Greifenstein 1135 als Ausstellungsort einer Urkunde, mit der der Verzicht Markgraf Leopolds III. auf die Zehenten von 13 Pfarren zugunsten des Bischofs von Passau bestätigt wird. Die Burg war damals mit großer Wahrscheinlichkeit im Lehensbesitz Ottos von Machland. Von der hochmittelalterlichen Anlage des 12. Jahrhunderts stammt noch der wuchtige Bergfried. Der Name der Burg geht auf den im Hochmittelalter häufigen Namen Greif bzw. Grifo zurück.

Ab dem späteren 12. Jahrhundert war Greifenstein im Besitz einer sich nach der Burg nennenden passauischen Ministerialenfamilie, deren Ahnherr der von ca. 1180 bis 1216 nachweisbare Sifrid I. von Greifenstein war. Die Herren von Greifenstein waren bis zum 14. Jahrhundert Lehensinhaber, danach wurde die Burg von bischöflichen Burggrafen und Pflegern verwaltet und war zeitweise verpfändet.

Unterhalb der Burg entstand am Donauufer das Dorf, in dem es schon Mitte des 13. Jahrhunderts 12 Hausgründe gab. Wichtigster Wirtschaftszweig wurde der schon 1469 nachweisbare Steinbruchbetrieb. Im 16. Jahrhundert gab es acht Steinbrüche, deren Steine auf Zillen nach Wien verschifft wurden. Große wirtschaftliche und militärische Bedeutung hatte die entlang der Donau von Klosterneuburg nach Greifenstein führende Straße.

Jahrhundertelang gefürchtet war Greifenstein vor allem als Gefängnis für Geistliche und Laien, die mit der Kirche in Konflikt geraten waren. Die Arrest- und Kerkerstrafen wurden vom Passauer Offizial im Einvernehmen mit der niederösterreichischen Regierung verhängt. Kerker musste im Turmverlies abgebüßt werden. An die zahlreichen Gefangenen zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert erinnert das Verlies und der Kotter aus schweren Balken aus dem Arrestzimmer.

Zerstört und wieder aufgebaut wurde die Burg nachweislich nur einmal Mitte des 13. Jahrhunderts (1247).  Für spätere Einnahmen und Zerstörungen - angeblich 1461, 1477, 1529 - gibt es keine gesicherten Quellenbelege. Aus einer Um- und Ausbauphase des späten 16. Jahrhunderts stammt vermutlich das auf dem Vischer-Stich erkennbare Vorwerk auf halber Hanghöhe. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde die Burg, obwohl noch intakt, aufgegeben. In den 1770er und 1780er Jahren wurde das Vorwerk abgebrochen, die Kapelle profaniert und die Waffen nach Passau transportiert. Die letzte Bewohnerin, eine alte Frau, starb 1796. Ein Jahr darauf wurde Greifenstein im Krieg gegen die Franzosen von einem Wiener Freiwilligenkorps schwer verwüstet.

Mit der Aufhebung der geistlichen Fürstentümer und Stifte 1803 endete die Herrschaft des Bistums Passau in Greifenstein. Fürst Johann I. von Liechtenstein, interessiert an romantisch wirkenden mittelalterlichen Bauwerken, erwarb das alte "Felsen-Schloss", wie er es nannte, und ließ es 1807/08 im Stil der Romantik renovieren und umbauen. Die Innenräume wurden neugotisch erneuert sowie unter anderem der Torbau mit Pechnase, eine Galerie und eine Aussichtsterrasse angelegt. Die nach den zeitgenössischen Mittelalter-Vorstellungen gestaltete "Ritterburg" an der Donau machte Greifenstein zu einem beliebten Ziel der Wanderer und zu einem romantischen Motiv der Künstler. Um 1850 ließ der Sohn Johanns I., Alois II., die Burg mit Kunstobjekten und Waffen ausstatten, die großteils aus Schloss Seebenstein stammten.

1918 verkauften die Liechtenstein die zunehmend verfallende Burg. Sie wurde 1931/32 vom damaligen Besitzer Maximilian Mautner erneut renoviert, der unter anderem an der Außenmauer ein gotisches und ein romanisches Fenster einbauen ließ. Seit 1960 ist die gut erhaltene Burg ein Gastgewerbeunternehmen.
Der Ort entlang des Donauufers ist inzwischen mit dem Nachbarort Altenberg, dem Heimatort des Verhaltensforschers Konrad Lorenz, zusammengewachsen. Weithin sichtbar ist der Turm der nach den Plänen von Hans Petermaier 1953 bis 1966 erbauten Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Sorg, seit 1965 Pfarre, mit der großen Marienstatue von Josef Rifesser (1967). Durch die Burg und den Badestrand am Donauarm ist Greifenstein vor allem im Sommer ein viel besuchtes Ausflugsziel im Wiener Raum.