Großmugl


Gemeinde Großmugl

Ortsgeschichte

Großmugl liegt nördlich von Stockerau am Westabhang der Waschbergzone. Dieses Hügelland erstreckt sich vom Waschberg und Michelberg bei Stockerau über die Leiser Berger, den Klippen von Falkenstein und Staatz über den Schweinbarther Berg bis zu den Pollauer Bergen in Mähren. Sie teilt das Weinviertel in zwei Zonen. Das Gemeindegebiet von Großmugl umfasst heute die Katastralgemeinden Füllersdorf, Geitzendorf, Glasweiner Wald, Großmugl, Herzogbirbaum, Nursch, Ottendorf, Ringendorfm, Roseldorf und Steinabrunn.

Namengebend war der mächtige Grabhügel, den man bereits von weitem sieht, nähert man sich dem Ort von Höbersdorf aus. Mit seinen 16 m ist der Tumulus, auch Leeberg genannt, der größte in Mitteleuropa. Er wurde bis jetzt noch nicht untersucht. Ein kleinerer Grabhügel in der Nähe, früher als „Grab der Königin“ bezeichnet, wurde in den Jahren 1950-1956 erforscht. 35 Gefäße mit Grabbeigaben wurden ergraben. Beide Tumuli gehören der Hallstattkultur an (8.-5. Jahrhundert v. Chr.). In der Gegend fanden sich aber auch ältere Funde aus der früheren und mittleren Bronzezeit (zwischen 1800 – 1300 v. Chr.).  

Die Siedlung in der Waldlichtung beim Leeberg wurde 1298 erstmalig als Grassenmugl erwähnt. Ihr Name dürfte sich vom slawischen Wort mohyla (= Grabhügel) ableiten. Aus demselben Jahr stammt die erste urkundliche Nennung der Kirche. Großmugl gehörte wahrscheinlich zur nachmaligen Grafschaft Orth und war in Lehensbesitz der Grafen zu Schaumburg, zuvor Grafen zu Plain und Hardegg. 1353 erben die Grafen von Maissau Großmugl vom kinderlosen Grafen Konrad von Schaumburg. Als Heidenreich von Maissau und seine Gattin Anna 1380 die Kartause Aggsbach stifteten, schenkten sie dem Kloster unter anderem auch das Dorf Mugl. In Großmugl befand sich ein Verwaltungsgebäude der Kartause (heute Nr. 83). Das Portalwappen ist mit 1577 bezeichnet. Als 1782 das Kloster aufgehoben wird, wurde der Klosterbesitz (unter anderem auch die beiden Dörfer Großmugl und Ottendorf) veräußert. Da beide Orte die Herrschaftsrechte 1791 selbst erwarben, wurden sie zu freien Orten.

Zu Anfang des 17. Jahrhunderts verlieh Kaiser Ferdinand II. der Kirche und dem Pfarrhof das Recht, am Floriani- und Nikolaustag von den feilbietenden Krämern Standgeld einzuheben. Die Kirche St. Nikolaus liegt im Norden des Ortes. Die im Kern gotische Saalkirche wurde im 18. Jahrhundert barockisiert. Der Fassade wurde 1747 ein Turm vorgestellt. 1686 erfolgte die Erhebung zur Pfarre. 1713 herrschte die Pest; 1717 brannte fast der gesamte Ort ab. Seit 1680 stand beim Friedhof eine Kapelle, die dem hl. Florian geweiht war. Alljährlich am Fest des hl. Florian fanden Prozessionen zu der Kapelle statt. 1810 wurde die Kapelle abgerissen. Erst 1868 erfolgte die Markterhebung. 1879 richtete der liberal-politische Verein Stockerau in Großmugl eine öffentliche Bibliothek ein, die die zweite im Bezirk war.

In den letzten Kämpfen zu Ende des Zweiten Weltkrieges verlief die Front durch Ottendorf. Großmugl lag unter Artilleriebeschuss. Dabei wurde der Kirchturm getroffen. Am 8. Mai 1945 kamen die ersten Angehörigen der Roten Armee in den Ort. Deutsche Sprengtrupps zerstörten die Ortsbrücken. Ab 23. Mai musste die Bewohner/innen mit den noch vorhandenen Pferden und Wagen täglich nach Stockerau fahren, um den Flugplatz instand zu setzen. Deshalb musste die dringende Feldarbeit drei Wochen lang ruhen. Bei der Ernte im Herbst gab es daher weder Kartoffel noch Gerste.

Mit Bescheid vom 26. Juni 1990 verlieh die NÖ Landesregierung der Marktgemeinde ein Wappen: In Blau auf goldenem Felsen ein schwarzes Nest, darin ein silberner Pelikan mit ausgebreiteten Flügeln und rotem Schnabel, drei ebenfalls silberne Junge mit seinem eigenen Blut fütternd. Die Gemeindefarben Gelb-Blau-Weiß wurden genehmigt.