Kilb


Gemeinde Kilb

Ortsgeschichte

Im Zentrum der gleichnamigen Großgemeinde liegt – etwa 20 Kilometer südlich von Melk – die Marktgemeinde Kilb, an der ehemaligen Strecke der Schmalspurbahn von St. Pölten über Ober-Grafendorf nach Wieselburg. Frühgeschichtliche (Steinbeil, Kupferbeil, Bronzeschwerter und Urnen) und römerzeitliche Funde bei Kälberhart – etwa 6 Kilometer nordwestlich von Kilb – belegen eine frühe Besiedlung des Raumes.

Kilb wird erstmals in einer Urkunde des Stiftes Melk erwähnt: In einer leider nicht datierten, vermutlich um 1062-65 niedergeschriebenen Urkunde schenkt Markgraf Ernst von Österreich dem Kloster Melk das Eigentum Weikendorf. Unter den angeführten Zeugen finden sich u. a. ein Albrecht von Kilb (Chiuliube) und sein Sohn Rapoto. Der Ortsname dürfte auf den slawischen Personennamen Kuljubu zurückgehen, der im 8. Jahrhundert dann eingedeutscht wurde. Die slawischen Siedler lebten neben den bayrischen in dem fruchtbaren Becken der Sierning. Die Bewohner wurden in der Karolingerzeit (ab 791) christianisiert. Bald nach 1072 wurde die Kirche in Kilb, die bis dahin zur bischöflich-passauischen Pfarre Hürm gehörte, von Bischof Altmann von Passau (1065-1091) zur Pfarre erhoben. Kilb gehört neben Mautern, Nalb, Mühlbach und Pyhra zu den Mutterpfarren des Stiftes Göttweig. Die neue Pfarre hatte einen großen Sprengel. Er umfasste die späteren Pfarren Bischofstetten, Hofstetten-Grünau, Rabenstein mit Tradigist und Kirchberg an der Pielach sowie große Teile, die heute zu Mank und Hürm gehören. Die heute im Volksmund genannte „Königin der Landpfarrkirchen“ ist den Aposteln Simon und Judas geweiht. Sie gilt als die größte spätgotische Landkirche Niederösterreichs. Als ihr erster namentlich bekannter Pfarrer  wird um 1207 ein Heinrich genannt.

Für 1227 ist für den Ort ein Richter überliefert; 1314 wird Kilb erstmals als Markt bezeichnet, das Marktrecht dürfte aber älter sein. Die hier tätigen Gewerbetreibenden besaßen schon früh überregionaler Bedeutung. So wird beispielsweise für das Jahr 1259 berichtet, dass Bürger und Kaufleute u.a. aus Kilb mit Safran gefärbten Tüchern nach Wien handelten. Der St. Veittag (15. Juni) und der Patroziniumstag der Kirchenheiligen (28. Oktober Heiliger Simon und Judas) waren Markttag, ein Wochenmarkt fand samstags statt. Der „Alte Markt“ war das Zentrum des Marktes; erst Ende des 16. Jahrhunderts dürfte sich der neue Markt Richtung Südwesten verlagert haben. Das Marktwappen erhielt Kilb am 17. Mai 1541 verliehen.

Für die Entwicklung der Region waren auch zahlreiche Burgen und Ansitze (Ranzenbach, Fleischessen, Hagenstein etc.) von Bedeutung, von denen jedoch nur mehr das Schloss Grünbichl im Westen des Ortes erhalten ist. 1278 wird erstmals in den Urkunden die Kapelle hl. Veit südlich bei der Burg erwähnt. Schloss und Herrschaft wechselten häufig die Besitzer. Sein heutiges Aussehen erhielt das Schloss um 1810/30; bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war es Sitz des Landgerichts. Die vormaligen Herren von Kilb könnten am Steinhaus (Alter Markt) gesessen sein.

Unter Pfarrer Georg Freißmuth (1554-1586) gewann der Protestantismus großen Zuspruch. Förderer war unter anderem die Familie Gienger auf Grünbichl, die in der Veitskapelle den evangelischen Gottesdienst einführte (bis 1626) und als Gutsherren von Rabenstein dem protestantischen Prediger ein Holzhaus errichten ließ. Diesem wurden alle Rechte zugesprochen, die auch ein katholischer Pfarrer besaß. Während der Bauernaufstände 1596/97 sammelten sich die Aufständischen am 15. März 1597 in Kilb und rekrutierten weitere Männer für den geplanten Angriff auf das Stift Lilienfeld. Der Kilber Schlosser und Ratsbürger Andreas Ziegler und sein Sohn Hans hatten sich bereits früher dem Aufgebot angeschlossen. Sie setzten die Rekrutierung mit Gewalt durch. Am 11. und 12. April tagte dann das Kriegsgericht in Kilb. Der Markt war die erste Station auf dem Straffeldzug Morakschis im Viertel ober dem Wienerwald. Ein Exempel wurde statuiert: Alle Angeklagte wurden hingerichtet. Vorher wurden sie noch zur Strafverschärfung verstümmelt. 

1630 tagte in Kilb eine katholische Generalreformationskommission, die den Priestern aus Mank, Bischofstetten, Weinburg, Hofstetten, Rabenstein, Kirchberg, Loich, Schwarzenbach, Oberndorf, Texing, St. Gotthard und Kirnberg das Gelöbnis Professio Fidei (Bekenntnis zum katholischen Glauben) abnehmen sollte. Von den vorgeladenen Pfarrern dürfte nur Johann Münzer, Pfarrer von Mank, die Unterschrift verweigert haben, weil ihn kurz danach der Dechant nach Hadres versetzen ließ. Ab 1633 leiteten mehrheitlich Göttweiger Stiftsangehörige die Pfarrbelange. 1657 erklärte man den evangelischen Glauben offiziell für verschwunden. 1683 wurden so viele Personen in Kilb durch die Osmanen getötet, dass keine kirchliche Einsegnung mehr möglich war, zumal auch der Pfarrer unter den Opfern war. Von 8. Juli bis 11. September fehlen daher auch die Eintragungen im Matrikelbuch der Pfarre. Das Pestkreuz Ecke Hürmerstraße/Bahnhofsstraße erinnert noch heute an die zahlreichen Pestepidemien im 17. und 18. Jahrhundert. 1761 brannte ein Teil des Ortes Kilb ab. Ende des 18. Jahrhunderts veranlasste Joseph II. Auspfarrungen; Kilb musste einige angrenzende Pfarren abtreten. Der Schlosskapelle St. Veit wurde 1786 der Gottesdienst entzogen; 1801 begann man mit ihrem Abbruch (vollendet erst 1826), wobei die Glocke in den Dachreiter des Hauses Kirchmaier (Nähe Grasmann) gebracht wurde. 1898 wurde die Schmalspurbahn von Obergrafendorf nach Mank eröffnet und diente seither auch als Postbeförderung. Im gleichen Jahr wurde auf Initiative von Adolf Ritter von Obentraut in Kilb eines der ersten Lagerhäuser in Niederösterreich gebaut.

Zwischen 1906 und 1910 waren rund 500 Arbeiter am Bau der 2. Wiener Hochquellwasserleitung beschäftigt und wurden von Kilb aus versorgt. Um schneller und günstiger die Baumaterialien transportieren zu können, errichtete man eine Drahtseilbahn von Kilb nach Kettenreith. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs schlugen ungarische Truppen etwa für zehn Tage ihr Lager in Kilb auf, kurz danach rückte die Waffen-SS ein und besetzte den Markt. Deren Oberbefehlshaber Sepp Dietrich wohnte im Schloss Grünbichl und soll angeblich von Kilb aus die Verteidigung Wiens geleitet haben. Mehrmals wurden in diesen Tagen Bomben auf das Ortsgebiet abgeworfen, zwei Menschen starben. Schlussendlich wurde Kilb von der roten Armee befreit. Sechs Wochen später zogen sie ab und ließen nur eine Kommandantur besetzt mit sechs Soldaten zurück. 1966 vereinten sich die Gemeinden Kilb, Heinrichsberg, Rametzberg, Teufelsdorf und Umbach zur Großgemeinde Kilb. In den 80er Jahren kam es zu umfassenden Veränderungen im Ortskanal- und Straßennetz und zu reger Bautätigkeit. Mit der Eröffnung des K4 - Kunst, Kultur, Kulinarium Kilb, das bis zu 400 BesucherInnen Platz bietet, verfügt die Marktgemeinde seit 2004 über ein adäquates Kultur- und Veranstaltungszentrum.