Kirnberg an der Mank


Gemeinde Kirnberg an der Mank

Ortsgeschichte

Kirnberg liegt südlich der Stadt Melk an den Ausläufern des Alpenvorlandes, eingebettet in das Tal des Schweinzbaches und der Mank. Eine frühe Ansiedlung kann mindestens in die Jungsteinzeit (um 5000 v. Chr.) durch steinerne Lochbeile nachgewiesen werden, die sich heute im Museum für Ur- und Frühgeschichte in Asparn an der Zaya befinden. Gegen Ende des 7. Jahrhunderts n. Chr. machten Slawen (Pöllaberg, Mank, Texing und Zögernitzberg) sowie Bayern das bewaldete Gebiet in der Gegend um Kirnberg urbar.

Kirnberg ist um 1121 erstmals durch Maganus de Churnperch (später nannte er sich Magins von Churnperge) belegt. Sein Bruder Otto, der um 1138 seinen Ansitz in Pöllaberg (=slawisch für Feldberg) errichtete und sich fortan Otto von Polan nannte, ließ die ehemalige slawische Taufkirche zur Burgkapelle umbauen. Ein sogenannter „Slawenstein“ ist heute noch sichtbar an der Nordseite der Kirche eingemauert. Anstelle der verfallenden Burg Pöllaberg übernahm der Bauernhof Pöllaberg mit seinen umliegenden Höfen die Funktion. Die Kirche wurde nachweislich vergrößert, dürfte also vor der Pfarrgründung Kirnbergs religiöses Zentrum gewesen sein.

Der Ortsname Churnperch deutet auf eine Mühle (mhd. kürn[e]) hin. Die Kirnberger (Churnberger) traten seit dem 12. Jahrhundert im Gefolge der Grafen Peilstein-Schala-Burghausen auf. Als sie um 1208 ausstarben, folgten ihnen die Plankensteiner. Vermutlich noch im 12. Jahrhundert wurde eine Kirche errichtet. Die urkundlich allerdings erst 1338 fassbare Kirche war dem hl. Pankraz und der hl. Katharina geweiht. Im Laufe des 14. Jahrhunderts entwickelte sich Kirnberg zu einem bescheidenen Marktort. Die zwei Kirchtage fanden an den Patrozinien St. Pankraz (12. Mai) und St. Katharina (25. November) statt. Kurz vor dem Tod des letzten Plankensteiners, Hans von Plankenstein (1483), wünschte sich dieser die Errichtung eines Kollegiatstiftes mit einem Dechant und sechs Chorherrn und stiftete, unter Einwilligung seiner Erben, dafür diverse Zehentgüter. Die Kirnberger Burgkapelle wurde zur spätgotischen Kirche ausgebaut. Um 1530 vereinte man die  Pfarren St. Gotthard, Kirnberg und Texing, wobei Texing der Wohnort des Pfarrers war, von wo aus er die Seelsorge in den Filialkirchen durchführte.

Für die Zeit der ersten Türkeneinfälle (ab 1529) sind keine größeren Zerstörungen überliefert. Jedoch belastete die Türkensteuer, welche zur Erhaltung einer größeren Armee benötigt wurde, die Bevölkerung, vorrangig die Bauern, schwer. Während der Reformationszeit hatte das Kollegiatsstift mit wirtschaftlichen und personellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Unter Kardinal Melchior Khlesl wurde es 1613 der Domprobstei St. Stephan in Wien angegliedert. Melchior Khlesl war von 1611 bis 1630 Dechant in Kirnberg. Im großen Pestjahr von 1679 starben im Ort Kirnberg „nur“ zwei Einwohner, in den Rotten der Umgebung zehn Personen. Der Türkeneinfall von 1683 jedoch hinterließ tiefe Wunden, Bauern wurden erschlagen, Personen verschleppt, Häuser geplündert und niedergebrannt.

Als in der Mitte des 18. Jahrhunderts der Pfarrer von Texing mit seinen Filialkirchen überfordert war und die Gotteshäuser zusehends verfielen, wurden vier Jesuiten als Verstärkung für eine Mission aus Wien gerufen. Schließlich zogen 1759 acht Patres und ihr Prior vom Orden der Hieronymitaner aus Schönbach bei Zwettl in die alte Dechantei in Kirnberg ein. So konnten wieder in allen drei Kirchen Messen gelesen werden. Das Kloster wurde 1776 umgebaut, aufgrund von Nachwuchsmangel aber 1816 aufgelöst. Im Sommer 1854 gab es eine Eichhörnchenplage. Im Mai 1874 kam es in Kirnberg zu einer großen Überschwemmung, bei der beide Wehren der Mank weggerissen wurden. Das wiederholte sich durch einen Wolkenbruch 1921.

Der spätere Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuss wurde 1892 in Texing als uneheliches Kind der Josefa Dollfuß geboren und übersiedelte nach deren Heirat nach Kirnberg an der Mank, wo er mit vier Halbgeschwistern aufwuchs. Im Zuge des Baus der zweiten Wiener Hochquellenwasserleitung von den Wildalpen nach Wien, deren Trasse südlich des Ortes vorbeiführt, kamen im Oktober 1906 die ersten Arbeiter nach Kirnberg und siedelten sich in Baubaracken an. 1930 wurde die „elektrische Ortsbeleuchtung“ mit zwei Glühbirnen in Betrieb genommen und bald um vier Lampen erweitert.

Am 19. März 1938 rückten deutsche Truppen in Kirnberg ein und errichteten im Pfarrhof, der unbesetzt, war ihr Militärlager. Am 28. März zogen sie wieder ab. Während der Todesmärsche der KZ-Häftlinge von den Außenlagern Richtung Mauthausen, zogen am 14. April 1945 ausgehungerte, erschöpfte Gefangene auch durch Kirnberg; dabei wurden einige Menschen grausam erschossen und nur notdürftig verscharrt. Der nicht enden wollende Zug wurde in Kirnberg geteilt und zog  über Texing bzw. Oberndorf an der Melk weiter Richtung Mauthausen.

1959 kam es zu einem schweren Hochwasser, das auch die Brücke über die Mank unterspülte. Der notwendig gewordene Neubau wurde 1963 durch Landeshauptmann Ing. Leopold Figl für den Verkehr freigegeben. 1960 entstand das erste planmäßig angelegte Siedlungsgebiet in Kirnberg. Im Zuge dessen erneuerte man auch die Kanalisation. Mit Bescheid vom 27. April 2010 verlieh die NÖ Landesregierung der Gemeinde ein Wappen: „Durch einen schwarz-weiß geschachteten Stab gespalten, rechts in Blau ein goldenes Mühlrad mit sechs Speichen, links in Weiß ein roter Pfahl.” Die Gemeindefarben wurden mit „Gold-Blau-Weiß” genehmigt“.