Klausen-Leopoldsdorf


Gemeinde Klausen-Leopoldsdorf

Ortsgeschichte

Die Gemeinde Klausen-Leopoldsdorf liegt mitten im Wienerwald. Der Ort geht auf eine Gründung von Kaiser Leopold I. zurück, der hier ab 1670 die ersten Klausen (Holztriftanlagen) errichten ließ. Holzknechte wurden angesiedelt.  Diese Wehranlagen, die das Wasser aufstauten, erleichterten den Transport der Baumstämme vom (ehemaligen) kaiserlichen Bannwald nach Baden und Laxenburg, sowie in weiterer Folge nach Wien. Älteren Datums ist nur der „Forsthof“; ihn führte bereits 1547 das Anzbacher Urbar an.  1596 erhielten der Förster Max Gruber und dessen Frau Agnes 16 Joch Acker, 24 Joch Wiesen, 15 Joch Weide und 6 Joch Wald zugewiesen. Johann Stückhl, der damalige Waldmeister Österreichs unter der Enns, schlug 1663 der kaiserlichen Hofkammer vor, um ein notwendiges Kriegsdarlehen aufzubringen, die Holzschlägerungen zu intensivieren. Dazu sollten Holzknechte angesiedelt werden. Nach seinem Tod wurde dieser Vorschlag aufgegriffen, verbessert und schließlich im Jänner 1667 der Auftrag erteilt, eine Klause hinter Alland und ein Rechenwerk in Baden zu errichten. Im April des gleichen Jahres wurde mit der Holzschlägerung für den Bau der Hauptklause begonnen. Ein Hochwasser beschädigte die sich kurz vor der Fertigstellung befindliche Klause im Juli, ein zweites Klaustor wurde eingebaut, um zukünftige Schäden zu verhindern. Am 5. Oktober 1667 wurde die erste Trift durchgeführt: 30 Klafter Buchen- und 56 Klafter Tannenholz wurden nach Baden getriftet.

Das Pestjahr 1679 raffte einen Großteil der Ortsbewohner dahin. Leopold I. rief Waldbauern in Salzburg und Tirol auf, sich mit ihren Familien in Leopoldsdorf niederzulassen. Viele folgten seinem Ruf und nach dieser Neubesiedelungsphase bestand der Ort 1680 bereits aus 32 Holzhütten. Bereits 1683 folgte die nächste Katastrophe: Akindschi verfolgten die flüchtenden Bewohner bis in die Wälder und metzelten diese auf der Waldwiese zwischen Groß-Krottenbach und Glashütten nieder. Diese Wiese wird seither „Schlachtwiese“ genannt. Neben der ersten Sammelsiedlung Dörfl südlich der Schwechat entstand ab der Mitte des 18. Jahrhunderts am Zusammenfluss von Schwechat, Hainbach, Lammeraubach und Agsbach die Ansiedlung Leopoldsdorf in den Klausen.

Im 17. Jahrhundert gab es weder Schule noch Pfarre im Ort. Zum Gottesdienst mussten die Bewohner entweder nach Alland oder Kleinmariazell gehen. Bis 1754 mussten die Kinder die Schule in Alland besuchen. In diesem Jahr errichtete man ein Schulhaus neben der hölzernen Kapelle, die 1755 durch eine steinerne Kirche mit Holzturm ersetzt wurde. Klausen-Leopoldsdorf bekam einen eigenen Pfarrer zugewiesen, der in der Schule untergebracht wurde, da es noch keinen Pfarrhof gab. Der Unterricht wurde in das Gasthaus Weingartshofer ausgelagert. Die dem hl. Leopold geweihte Kirche wurde 1767 Pfarre. 1780 erfolgte ein Um- und Erweiterungsbau der Kirche, der Pfarrhof wurde gebaut und die Schule wieder an ihren alten Platz zurückverlegt.

Die Hauptklause wurde 1756 als Massivklause neu errichtet, sie blieb bis heute in ihrer ursprünglichen Form erhalten und ist das einzige Objekt dieser Art in Österreich. Die Anlage verfügte in der größten Ausbaustufe ferner über dreizehn kleinere Nebenklausen, elf davon lagen in den Seitengräben hinter der Hauptklause und zwei vor der Hauptklause. Die letzte Holztrift wurde 1939 durchgeführt.

Ein interessantes Projekt startete in den Jahren 1926–27: Auf Gründen der Bundesforste errichtete der Verein „Kolonien in der Heimat“ die „Ranzenbachsiedlung“. Zehn arbeitslose Industriearbeiter wurden hier angesiedelt und sollten zu selbständigen Landwirten umgeschult werden. Sie errichteten die Gebäude selbst. 1931 war die Siedlung fertiggestellt. Allerdings scheiterte das Vorhaben. Die meisten zogen sich aus dem Projekt zurück. Die leer stehenden Gebäude wurden von Handwerkern aus der Umgebung besiedelt, die mangels anderer Arbeitsmöglichkeiten als Waldarbeiter tätig waren. Erst 1960 wurde die Siedlung an das Stromnetz angeschlossen.