Leobersdorf


Gemeinde Leobersdorf

Ortsgeschichte

Südlich von Baden  am Ausgang des Triestingtales liegt die Marktgemeinde Leobersdorf.

Älteste menschliche Siedlungsspuren stammen aus der Bronzezeit (Grabfunde aus der Urnenfelderzeit). Aus römischer Zeit fanden sich Statuen, Münzen, Tongeschirr und Dachziegelreste gefunden. Eine Besiedlung durch Awaren im 7./8. Jahrhundert belegen 153 Bestattungen auf dem Gelände der Ziegelei Polsterer/Menhofer. Um 1000 siedelten hier die ersten bayrisch/fränkischen Kolonisten. Im Falkensteiner Codex (1176) ist der älteste erhaltene urkundliche Beleg mit der Nennung eines Kleinadeligen de Liubetsendorf enthalten. Der Ortsname geht vermutlich auf die althochdeutsche Form „Liubetz“ eines ursprünglich slawischen Personennamens zurück.

Eine Kirche existierte zumindest seit 1220. In einer Urkunde an das Stift Melk trat Herbordus sacerdos de Luitbatsdorf als Zeuge auf. Die Kirche gehörte zur Pfarre Traiskirchen. Erst 1311/12 wurde sie selbstständige Pfarre und ist bis heute dem Stift Melk inkorporiert. Für 1393 findet sich eine Pfarrschule urkundlich belegt. Die heutige Kirche St. Martin wurde im Wesentlichen um 1775 unter weitgehender Erhaltung der mittelalterlichen Bausubstanz durch Josef Nothaft einheitlich umgestaltet. Die Deckengemälde stammen von Friedrich Schilcher (1859–1862). Das Hochaltarblatt malte 1827 Johann Nepomuk Höfel.

Der Ort litt mehrfach unter kriegerischen Ereignissen: Belagerungen und Plünderungen durch die Ungarn (1446, 1477), Bauernaufstände, Einfälle der Osmanen (1529, 1683), Raubzüge der Kuruzzen (1706/07), Marktbesetzung durch die Franzosen (1805, 1809). Auch unzählige Hochwässer und stärkere Erdbeben setzten der Ansiedlung heftig zu. Durch das Erdbeben vom 23. April 1626 trat im Süden des Ortes an der Straße nach Sollenau eine Quelle zu Tage, der bald heilsame Kräfte zugeschrieben wurde. Eine Wallfahrtskapelle „Zum heilsamen Brunnen“ wurde errichtet. Die Quelle wurde bereits 1466 erstmals erwähnt. Sie versiegte vermutlich in der Folge und wurde erst durch das Erdbeben 1626 wieder freigelegt. Sie wurde u. a. bei Augenleiden aufgesucht.

Erste Industriebetriebe siedelten sich seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert in der Region an. Der älteste Betrieb war das seit 1771 bestehende Bauunternehmen Notthaft. 1816 ließ Christian Gottlieb Hornbostel, der in zweiter Generation in Wien eine Seidenfabrik betrieb, eine Mühle an der Triesting für den Betrieb einer mechanischen Seidenweberei umgestalten. Maßgeblich für die Errichtung an diesem Standort waren die niedrigeren Lohnkosten sowie die verkehrsgünstige Lage nahe der Triester Straße. Die Zahl der selbstwebenden, wasserkraftbetriebenen Stühle stieg beständig: Waren es 1818 erst neun, so waren es 1840 bereits vierzig Webstühle, die glattes Zeug, schwere Tafte und leichte Atlasse herstellten. Durch den Verlust der Lombardei 1859 ging die günstige Rohstoffbasis für die Seidenweberei verloren. Der Betrieb schrumpfte beständig.   

Anton Notthaft gründete 1820 ein Ziegelwerk. In den 80er Jahren ließ er einen Ringziegelofen nach dem System Friedrich Hoffmann errichten. Trockenschuppen und ein Büro-Wohnhaus erweiterten den Betrieb. Bis 1942 wurden hier handgeschlagene Ziegel gebrannt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Aufstellung einer Strangpresse. Im Oktober 1977 wurde der Ziegelofen stillgelegt. Die Betriebsanlagen bestehen noch heute. 1897 entstand in Nähe der Bahnstation Wittmannsdorf ein weiteres Ziegelwerk (heute Ziegelwerk Polsterer). Um 1912/13 modernisierte man die Produktionsstätte: Eine künstliche Trockenanlage mit Kessel- und Maschinenhaus wurde errichtet.   

Einen weiteren Betrieb gründete der Gussmeister Josef Berger: Er errichtete ab 1850 eine Gießerei nahe dem Leopoldsdorfer Bahnhof. In den folgenden Jahren wechselten die Besitzer häufig, die Produktionsstätte wurde permanent ausgebaut. 1887 erwarb die Budapester Maschinenfabrik Ganz & Com. die Fabrik. Es wurden hier nun Waggonräder aus Schalenguss produziert. Weiters wurden Wasserturbinen und Zerkleinerungsmaschinen aller Art hergestellt. 1902 wurde mit der Produktion von Dieselmotoren begonnen. Um die Jahrhundertwende beschäftigte die Fabrik 600 bis 700 Personen, zu Beginn des Ersten Weltkriegs bereits 1.200. 1888 entstand das erste Arbeiterwohnhaus; 1892 wurde für die Werksangehörigen ein Spital errichtet, 1894 eine Kantine mit Wurstfabrik, Selcherei und Lebensmittelmagazin. Weitere Wohnhäuser entstanden. Um 1900 waren rund 200 Familien in der Arbeiterkolonie „Siebenhausen“ untergebracht.

Mit dem Ausbau der Bahnlinie nach Gutenstein und ins Traisental Richtung St. Pölten 1877 wurde Leobersdorf zum Bahnknotenpunkt.

1958 beantragte die Gemeinde eine Bestätigung des Marktrechts, das ihr 1313 durch Friedrich den Schönen verliehen worden war. Allerdings war die Urkunde verloren gegangen. Am 22. Juli 1959 bestätigte die Niederösterreichische Landesregierung auch das alte Marktwappen, eine silberne Kirche auf blau-grünem Grund mit vier silbernen Lerchen und einem Hahn. Die Südautobahn wurde 1962 bis zum Knoten Leobersdorf teileröffnet.