Mödling


Gemeinde Mödling

Ortsgeschichte

Die biedermeierlich geprägte Stadt am Rande des Wienerwaldes ist die Bezirkshauptstadt des Bezirks Mödling im Süden Wiens. Der Ort hat in seiner 1100-jährigen Geschichte seit der ersten Erwähnung sehr unterschiedliche Phasen erlebt: im Mittelalter kurzzeitig Babenberger-Residenz, jahrhundertelang ein wirtschaftlich potenter Weinmarkt, ab dem 19. Jahrhundert Sommerfrische und Industriestandort, seit 1875 Stadt, im 20. Jahrhundert für fast zwei Jahrzehnte XXIV. Wiener Gemeindebezirk, seit 1954 wieder selbstständige Gemeinde Niederösterreichs und als Schul- und Gartenstadt beliebte Wohngegend im Nahbereich Wiens. Die historische Tradition von Mödling reicht weit über die erste schriftliche Erwähnung zurück, wie Siedlungsfunde aus der Jungsteinzeit, Hallstattzeit (u. a. Kalenderberg) und Römerzeit sowie das große awarische Gräberfeld "An der Goldenen Stiege" aus dem 7./8. Jahrhundert belegen. Im Jahr 903 wird Mödling erstmals urkundlich erwähnt (Medilihha). Die spätere Siedlung entstand vermutlich im 11. Jahrhundert unterhalb einer frühen Burganlage auf dem Kirchenberg, wo später auch ein romanischer Vorgängerbau der Othmarkirche errichtet wurde.

Im ausgehenden 12. Jahrhundert wurde Mödling für wenige Jahrzehnte Residenz einer babenbergischen Seitenlinie. Heinrich d. Ä., ein Bruder Herzog Leopolds V., hatte seit den 1170er Jahren Besitz in und um Mödling. Er und sein Sohn Heinrich d. J., der sich "Herzog von Mödling" nannte, residierten auf der vermutlich um 1150 erbauten Burg in der Klausen, zu deren bekanntesten Besucher der Minnesänger Walther von der Vogelweide zählte. Mit dem Tod Heinrichs d. J. 1236 erlosch die Mödlinger Linie der Babenberger und die Herrschaft wurde landesfürstlich. An die Zeit der Babenberger erinnert der im späten 12. Jahrhundert errichtete romanische Karner bei der Othmarkirche - ein Rundbau mit Apsis - sowie die Bezeichnung "Babenbergerstadt".

Im Spätmittelalter entwickelte sich Medlich zu einem bedeutenden Weinmarkt (1343 Marktnennung), der im 15. Jahrhundert als einer der vier landesfürstlichen Bannmärkte – neben Gumpoldskirchen, Langenlois und Perchtoldsdorf – auch im Landtag vertreten war. Jahrhundertelang prägte der Weinbau die Wirtschaft und Sozialstruktur. Der Mödlinger Wein galt als gut und verhalf dem Markt besonders im 15. und 16. Jahrhundert zu seiner Prosperität. Die Siedlung erreichte Ende des Mittelalter jene Ausdehnung, die bis ins 19. Jahrhundert im Wesentlichen unverändert bleiben sollte. Das Zentrum bildete der Bereich um den Schrannenplatz mit einem dichten Bestand an spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Bürgerhäusern, die vom Reichtum und Selbstbewusstsein der Marktbürger zeugen. Aus dem spätmittelalterlichen Schrannengebäude, dem Amtssitz des Marktrichters, entstand 1548 das repräsentative Renaissance-Rathaus mit Loggia.
 
Die erhöht liegende Othmarkirche wurde im 15. Jahrhundert durch Übertragung des Pfarrrechts von der Martinskirche zur Mödlinger Pfarrkirche. Die mächtige spätgotische Hallenkirche wurde in einer fast 70-jährigen Bauzeit von 1454 bis 1523 über den Mauern von sechs Vorgängerbauten errichtet und wehrhaft befestigt. Als Mödling 1529 von den Osmanen zerstört wurde, verlor die gerade vollendete Kirche ihr Dach und blieb über ein Jahrhundert bis zur Wiederherstellung 1660/70 eine Ruine. Auf dem Merian-Stich von 1649 ist die abgedeckte Othmarkirche auf der linken Seite gut erkennbar. Als provisorische Pfarrkirche diente die um 1450 erbaute spätgotische Spitalskirche.

Die inneren Verhältnisse waren in dieser Zeit vor allem von den Auseinandersetzungen des Marktes mit der landesfürstlichen Herrschaft Burg Mödling - seit 1558 mit der Herrschaft Liechtenstein vereinigt – geprägt, die ihren Höhepunkt um 1600 unter dem energischen Verwalter Georg Wiesing (1593-1611) erreichten. In der Reformation war der Markt großteils evangelisch geworden. Im Zuge der Rekatholisierung wurde 1631 ein Kapuzinerkloster gegründet, das nach der Aufhebung unter Joseph II. als Fabrik diente und dann von der Familie Thonet erworben wurde (sog. Thonet-Schlössel, heute Bezirksmuseum).

Im Türkenjahr 1683 kam es in der Othmarkirche zu einem entsetzlichen Blutbad, bei dem hunderte Menschen, die hier Zuflucht gesucht hatten, ermordet wurden. Die Kirche wurde erneut zerstört, dieses Mal aber unter dem Marktrichter Wolfgang Ignaz Viechtl zügig in wenigen Jahren wieder aufgebaut.

Ende des 18. Jahrhunderts kam es in Mödling zur Ansiedlung von Industrie-, insbesondere Textilbetrieben, die die billigeren Produktionsmöglichkeiten bei gleichzeitiger Nähe zu Wien nutzten. Entscheidend geprägt wurde der Charakter des Ortes aber durch den Aufstieg zur Sommerfrische, eingeleitet durch Fürst Johann I. von Liechtenstein Anfang des 19. Jahrhunderts, der 1807 die Herrschaft Liechtenstein-Mödling mit dem einstigen Familienstammsitz erwarb. Er ließ die Umgebung unter enormen Kosten aufforsten (Schirmföhren, Akazien etc.) und zu einem öffentlich zugänglichen Park im Stil der Romantik mit Promenadewegen, Steigen und künstlichen Bauten (Schwarzer Turm, Amphitheater, Husarentempel) umgestalten. Die verfallenen Burgen Mödling und Liechtenstein wurden restauriert. Der ehemalige Liechtenstein'sche Landschaftspark gilt als bemerkenswertes Beispiel der Gartenkultur um 1800 und ist bis heute ein beliebtes Ausflugsziel (1974 Naturpark Föhrenberge).

Seit dem Biedermeier war Mödling im Sommer ein überaus beliebter Künstler-Treffpunkt. Zu den bekanntesten Künstlern des 19. Jahrhunderts, die sich hier von der romantischen Natur inspirieren ließen, gehörten Franz Schubert, Franz Grillparzer, Ferdinand Waldmüller, Ferdinand Raimund und Ludwig van Beethoven, der hier an einem seiner Hauptwerke, der "Missa solemnis", arbeitete. Im 20. Jahrhundert ließen sich u. a. Arnold Schönberg, Anton von Webern, Anton Wildgans, Franz Theodor Csokor und Albert Drach vorübergehend oder dauernd nieder. Für Beethoven, Schönberg und  Wildgans wurden Gedenkstätten eingerichtet (Beethoven-Haus, Schönberg-Haus, Wildgans-Archiv).

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Mödling Verwaltungsmittelpunkt (Bezirksgericht, Bezirkshauptmannschaft) und ein Industrie- sowie Bildungsstandort mit höheren Schulen und Lehranstalten (z. B. Lehranstalt Francisco-Josephinum). Die gute Verkehrslage an der Südbahn, die fortschreitende Industrialisierung und der Ausbau von Kureinrichtungen (Kurpark, Kursalon) führten zu einer rapiden Expansion des bis dahin jahrhundertelang unveränderten Marktes. Unter Bürgermeister Joseph Schöffel (1873-1882), der wegen seines erfolgreichen Einsatzes gegen die Abholzung des Wienerwalds als "Retter des Wienerwalds" berühmt wurde, erfolgte die planmäßige Anlage der sog. Schöffel(vor)stadt (Neu-Mödling) östlich der Südbahn sowie die Errichtung von Arbeitersiedlungen. Später folgten die Villenviertel des Jahrhundertwende mit ihren repräsentativen Wohnbauten. Der wohl bedeutendste Bau des späten 19. Jahrhunderts ist das von dem Wiener Anatom Joseph Hyrtl und Joseph Schöffel gegründete Hyrtl'sche Waisenhaus (1886-1889). Die Waisenhauskirche St. Josef wurde über der 1787 abgebrochenen Martinskirche erbaut.

Am 18. November 1875 wurde der aufstrebende Markt zur Stadt erhoben, zwei Jahre später erfolgte die Eingemeindung von Klausen und Vorderbrühl. Durch die Errichtung von Groß-Wien unter der NS-Herrschaft am 15. Oktober 1938 verlor die junge Stadt für 16 Jahre ihre kommunale Selbstständigkeit; 1954 wurde sie wieder ein Teil von Niederösterreich.

Symbol für die charakteristische Umgebung Mödlings war die "Breite Föhre" auf dem Anninger, deren Alter bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht (um 1550). Sie war ein bekanntes Naturdenkmal und wurde zum Wahrzeichen der Stadt. 1988 starb der Baum ab und musste 1997 aus Sicherheitsgründen entfernt werden. Die Reste befinden sich heute im NÖ Landesmuseum.

Mödling unterhält Partnerschaften mit Städten in Frankreich, Belgien, Luxemburg, Deutschland, Ungarn, Tschechien, Serbien, Bulgarien und Italien.