Orth an der Donau


Gemeinde Orth an der Donau

Ortsgeschichte

Im südöstlichen Marchfeld am Nordrand der Donauauen liegt die Marktgemeinde Orth an der Donau. Sie entwickelte sich aus einer Ansiedlung, die bei einer Überfahrt an einer wenig verästelten Stelle der Donau entstanden war.

In der Conversio Bagoariorum et Carantanorum wird für das Jahr 865 die Weihe einer Michaelskirche ad Ortahu erwähnt. Die Annahme, dass es sich dabei um die erstmalige Nennung von Orth handelt, wird von der jüngeren Forschung abgelehnt. Heute nimmt man den Standort dieser Kirche in Ungarn an. Eindeutig auf Orth bezieht sich eine Schenkung an Weihenstephan 1021. Mitte des 12. Jahrhunderts findet sich dann in einer Klosterneuburger Aufzeichnung ein Wicpoto von Orth, der vielleicht ein Ministeriale der Grafen von Hohenburg war. Unter Ottokar II. Přemysl erhielten die Grafen von Schaunberg die Herrschaft als Lehen. 1377 wurde die Herrschaft landesfürstlich und blieb dies bis Kaiser Joseph II. Die Landesfürsten vergaben die Herrschaft als Afterlehen oder verpfändeten sie. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts übernahmen die Grafen Salm die Herrschaft zur Pflege (Erblehen 1523–1568).

Die heutige Struktur des Ortes lässt noch die alten Ortsteile erkennen, die in der Folge zum Markt zusammenwuchsen. Das alte Dorf und die Uferzeile beidseits des Wasserschlosses, der Dreieckanger und der Breitanger (die Hauptstraße) sowie östlich der Kirche bzw. des Schlosses zwei Dreieckplätze. Das Marktrecht erhielt Orth 1362, im Jahre 1819 wurden die alten Marktprivilegien mit zwei Jahrmärkten erneuert.

In der Zeit des ersten osmanischen Einfalls (1529) hatten Orth und seine Umgebung schwer unter den Einfällen der osmanischen Streitscharen zu leiden. Weite Landstriche waren entvölkert. Um dem entgegenzuwirken, siedelte man Kroaten an, die jahrhundertelang den Großteil der Bevölkerung stellten. Nach der Zerstörung der mittelalterlichen Burg 1529 veranlasste Niclas Graf Salm ab 1550 den Wiederaufbau. Nach 1568 wechselten die Herrschaftsinhaber häufig. Im 17. Jahrhundert diente das Wasserschloss in erster Linie als Jagdschloss. Während des Dreißigjährigen Krieges eroberten schwedische Truppen unter General Torstenson das Wasserschloss. Graf Auersperg errichtete 1679 das sog. Neuschloss auf dem unmittelbar an das Schloss anschließenden Gelände. Die Grafen Strattmann, die 1686 die Herrschaft erhielten, barockisierten die dem hl. Michael geweihte Pfarrkirche, eine mächtige alte Wehrkirche.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts (1802) lebte die Schwester Napoleons, Gräfin Carolina von Lipona im Schloss. Schließlich erwarb Kaiser Franz I. 1824 das Anwesen und integrierte es in den Privat- und Familienfonds des Hauses Habsburg. Kronprinz Rudolf nützte es ab 1873 für Jagdgesellschaften und ließ die Räume im späthistoristischen Stil ausgestalten.

Im 19. Jahrhundert bestanden in Orth und Haringsee Zuchtbetriebe für Blutegel, die an die Wiener  Spitäler geliefert wurden. Allerdings konnten sie auf die Dauer mit der französischen Konkurrenz konkurrieren und mussten den Betrieb einstellen. Nach dem Ende der Monarchie wurde das Schloss dem Kriegsgeschädigtenfonds übertragen. In der Nacht vom 16. auf den 17. September 1926 besetzten rund 120 Personen die ehemals habsburgischen Jagdgründe Oberau. Die meist aus Wien stammenden Arbeitslosen begannen mit der Rodung der Au und errichteten ein Zeltlager. Sie wollten in der Folge hier eine neue Siedlung errichten. Presseberichten führten zu einem regen Zulauf. Schließlich hielten sich an die 800 Personen in dem Gebiet auf. Nach langen Verhandlungen räumten sie schließlich das Gebiet. Die Republik Österreich verpachtete ihnen ein bereits gerodetes Gebiet am Kaiserplateau, einem bewaldeten Waldrücken oberhalb von Rekawinkel.

Im Schloss war seit 1957 das Heimatmuseum untergebracht, seit 1973 das Bienenzuchtmuseum. Vom 15. April bis zum 13. November diente es als Veranstaltungsort der Niederösterreichischen Landesausstellung "Fischerei einst und jetzt". Die Republik Österreich schloss 1996 mit den Bundesländern Wien und Niederösterreich einen Staatsvertrag, mit dem der Nationalpark Donau-Auen gegründet wurde. 2005 wurde das Schloss Orth einer gründlichen Renovierung unterzogen und in dem Gebäude das Nationalpark-Zentrum des Nationalpark Donau-Auen, das museumORTH sowie das Veranstaltungszentrum, beide betrieben von der Marktgemeinde Orth, untergebracht.