Pernitz


Gemeinde Pernitz

Ortsgeschichte

Mitten im Piestingtal liegt die Marktgemeinde Pernitz, zu der auch der Ort Feichtenbach gehört. Seit der Jungsteinzeit ist das Gebiet durchgehend besiedelt, wie Funde belegen. Vor 800 n. Chr. ließen sich Slawen hier nieder. Auf sie dürfte der Ortsname zurückgehen, der unterschiedlich interpretiert wird: Per(e)nica als „Bach, an dem mit glühenden Kohlen gearbeitet wird“ oder mit der Bedeutung „schlagen, waschen“ oder „morsch werden“. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Falkensteiner Codex um 1165, der eine Mühle in Berneze anführt. Sie gehörte zu den Besitzungen des Siboto von Falkenstein-Hernstein. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gelangte die Ansiedlung in die Hände der Pottendorfer. 1380 kam sie an Herzog Albrecht III. Die Wasserkraft der Piesting und ihre Zuflüsse nützten schon im 15. Jahrhundert Eisenhämmer (erste Erwähnung 1438) und Mühlen (erste Erwähnung 1489).

Im 14. Jahrhundert wurde ein Vikariat in Pernitz errichtet und die Kirche St. Nikolaus errichtet, die im 15. Jahrhundert umgebaut wurde. Das Vikariat inkorporierte Kaiser Friedrich III. gemeinsam mit der Mutterkirche Hernstein 1445 dem steirischen Zisterzienserstift Neuberg. Da die Entfernung jedoch zu groß war, löste das Kloster diese Verbindung und Pernitz wurde 1447 eigene Pfarre, die allerdings bis ins 16. Jahrhundert hinein von Neuberger Priestern betreut wurde. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde auf dem Sebastianikogel eine Kapelle errichtet, die aufgrund der regelmäßigen Pilgerbesuche rasch die Anstellung eines eigenen Priesters Pfarrers notwendig machte. Diese Sebastianikapelle wurde 1787 unter Joseph II. aufgehoben und später abgerissen. Heute Reste der „Sebastianisäule“ von 1674 erhalten.

Das Amt Pernitz wurde 1632 aus der Herrschaft Hernstein gelöst und an Hans Balthasar Graf von Hoyos verkauft. Die zahlreichen Wasserläufe im Herschaftsgebiet der Hoyos (Pernitz, Schwarzau, Rohr, Neusiedl, Frohnberg, Scheuchenstein) ermöglichten den Bau von 130 Wasserkraftanlagen, wovon 106 Hausmühlen waren (Bestandszahlen um 1670). Wie beim ersten Einfall der Osmanen l 1529-1532 hatte das Piestingtal auch unter dem zweiten Einfall 1683 schwer zu leiden. Die Bewohner flüchteten in die Burg von Gutenstein zurück, die nicht erobert werden konnte. Beinahe alle Häuser wurden vernichtet und rund ein Viertel bis ein Drittel der Menschen kam ums Leben bzw. wurde verschleppt. Es dauerte Jahrzehntelang, bis sich der Ort von diesen großen Verlusten erholte.

Bis ins 19. Jahrhundert bestimmten bäuerliche Betriebe, die auf dem Hohen Mandling bis in rund 1000 Höhenmeter hinaufreichten, die wirtschaftliche Ausrichtung des Ortes. Seit dem 18. Jahrhundert eröffnete die Holzwirtschaft, insbesondere die Köhlerei, einen weiteren Erwerbszweig. Der Ausbau der Gutensteiner Straße zu Beginn des 19. Jahrhunderts verbesserte die Verkehrssituation und begünstigte eine Ansiedlung größerer Industriebetriebe im Tal. 1810 existierte bereits eine Pechsiederei im Ort. Eine Verbindung ins Triestingtal bot die 1828 angelegte Straße über den Hals. Im Biedermeier begann auch die touristische Erschließung des Tales. Der Dichter Ferdinand Raimund hielt sich von 1834-36 in Pernitz auf; er bewohnte die sogenannte „Raimundvilla“ (Blättertalstraße Nr. 10), ein spätklassizistischen Bau mit großer Freitreppe.

Die Neusiedler Schwertfabrik, die an der Stelle einer bäuerlichen Sägemühle in der Rotte Quarb bei Neusiedl Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden war, erwarben 1866 Ignaz Ortmann und August Kruss. Sie gründeten eine Kunstwollfabrik und eine Spinnerei, in der sie Schafwollhadern verarbeiteten. Als 1877 die Südwestbahnlinie Leobersdorf-Gutenstein eröffnet wurde, erhielt die Fabrik eine eigene Bahnstation. Die Fabrik wurde um eine Deckenweberei erweitert, die Pferdedecken für das Militär produzierte. 1885 ging die Fabrikanlage in den Besitz von Julius Bunzl über. Zu dieser Zeit war die Arbeit im Werk bereits der Haupterwerbszweig für die Bevölkerung. Knapp nach der Jahrhundertwende entstand flussaufwärts eine weitere Produktionseinheit, in der Watte erzeugt und Baumwollhadern verarbeitet wurden. Das Unternehmen warb in Südmähren um Arbeitskräfte und baute Wohnhäuser für die Beamten und Arbeiter. Während des Ersten Weltkrieges wurde Zellstoffwatte und Nitrierkrepp für die Pulver- und Munitionsfabrik in Blumau erzeugt. Die drei 1917 erworbenen Papiermaschinen wurden nach Kriegsende auf die Erzeugung von Dünn- und Krepppapiere umgestellt. Nachdem 1921 eine vierte Papiermaschine und die erste Langsieb-Papiermaschine aufgestellt wurden, produzierte der Betrieb bald danach fast 40 % des Weltmarktbedarfs. Hugo Bunzl ließ 1922 die „Neue Kolonie Ortmann“ errichten. Er wollte damit die Lage seiner Angestellten und Arbeiter verbessern. Die „Arbeiter-Dorfgemeinschaft“ umfasste neben Wohnungen auch einen Kindergarten und ein Kinderheim mit Hortfunktion. Hugo Bunzl förderte auch das Vereinswesen. Während des Zweiten Weltkriegs formierte sich in der Papierfabrik ein Widerstandszentrum.

Im Jahr 1961 wurde Pernitz zum Markt erhoben. Aus diesem Grund verlieh die NÖ Landesregierung das Marktwappen. Es zeigt „einen im Wellenschnitt von Grün und Gold gespaltenen Schild (Anm. steht für Wald und Felder), vorne an der Schnittlinie einen silbernen, grün durchzogenen Wappenpfahl, die hintere Schildhälfte im Verhältnis eins zu zwei durch einen silbernen schmäleren, grün durchzogenen Wellenbalken (Anm. steht für Mira und Piesting) geteilt. Darunter ein grüner Nadelbaum (Anm. steht für Waldreichtum); der Treffpunkt von Wellenpfahl und Wellenbalken belegt mit einem sechsspeichigen roten Kammerrad (Anm. steht für Industrie).“