Schottwien


Gemeinde Schottwien

Ortsgeschichte

Die Entstehung des in der Talenge des Weißenbachs gelegenen Marktes Schottwien steht in engem Zusammenhang mit dem sich ab dem späteren 12. Jahrhundert entwickelnden Handelsverkehr auf der alten Semmeringstraße. Der sog. "schräge Alpendurchgang" von Villach über Bruck und den Semmering nach Wien war seit dem Spätmittelalter einer der wichtigsten Verbindungswege über die Alpen und wurde wegen seiner Bedeutung für den Italienhandel auch "Venedig-" bzw. "Italienstraße" genannt. Wegen ihrer Steilheit war die Straße für Wagen nur mit einem aufwändigen Vorspann (Ochsen, Pferde) passierbar.

Die 1220 erstmals urkundlich genannte Siedlung Shadwin war Teil der Herrschaft Klamm und wurde möglicherweise von den Herren zu Klamm gegründet. Nach einer Quelle des 14. Jahrhunderts soll Schottwien bereits vier Jahrzehnte später, 1266, Markt gewesen sein; gesichert ist die Nennung eines Marktplatzes für das Jahr 1287. Vermutlich seit Ende des 13. Jahrhunderts war Schottwien landesfürstliche Mautstelle und wurde in der Folgezeit zur Kontrolle der Semmeringstraße mit Mauern und Türmen befestigt. Unter Nutzung der topografischen Gegebenheiten bildete die urkundlich erstmals 1349 erwähnte Marktbefestigung zwei Talsperren ober- und unterhalb des Ortes, deren erhaltene Mauerreste aus dem 16. Jahrhundert stammen. 1459 erhielt der Markt die Mautfreiheit und ein Wappen. Bis in das 19. Jahrhundert lebte der Ort von den Vorspanndiensten, dem Warentransport und der Bewirtung der Reisenden in den zahlreichen Einkehrgasthöfen.

Die Pfarrkirche St. Veit inmitten des Ortes war bis 1783 eine Filiale von Klamm. Ihr Chor stammt aus der Zeit um 1300. Die Kirche wurde im 15. und frühen 16. Jahrhundert spätgotisch umgebaut und erhielt im Zuge der Renovierung im späten 19. Jahrhundert unter den Liechtenstein, ab 1830 Herrschaftsinhaber, einen vorgestellten neugotischen Turm (1889/92).

Seit Ende des Mittelalters war die Herrschaft Klamm mit dem wichtigen Mautort Schottwien stets verpfändet. 1642 wurde sie von der Familie Wallsegg gekauft, die im 18. Jahrhundert die Wallfahrtskirche Maria Schutz (heute Katastralgemeinde Göstritz) erbauen ließ. Ursprünglich befand sich hier eine als heilkräftig verehrte Quelle mit Bildsäule (Marienbründl). Der Bau einer Kapelle 1721/22 geht auf ein Gelöbnis der Schottwiener Bürger zur Pestzeit 1679 zurück. Ihren Namen erhielt die Kirche der Legende nach von einem Franziskaner, der zur Bauzeit vorbeikam, die Lage des Ortes bewunderte und sich unter einer Birke ausruhte und einschlief. Als er erwachte, rief er, wenn er den Ort zu taufen hätte, würde er ihn "Maria Schutz" nennen, denn das sei ein schöner Name.

Ab 1728 ließ Graf Josef Leopold von Wallsegg die doppeltürmige Wallfahrtskirche errichten (Weihe 1738), die 1783 zur Pfarre erhoben wurde. Die Quelle wurde in einem Brunnen gefasst und befindet sich hinter dem Hochaltar. Nach einem Brand des Dachstuhls 1826 wurden die zerstörten barocken Zwiebelhelme durch Pyramidendächer ersetzt. 1925 wurde die Kirche dem Passionistenorden übergeben, 1934 die Pfarre in den Kurort Semmering verlegt. Im Zuge der Restaurierung in den letzten Jahrzehnten (1970/74 innen, 1995 außen) wurden die Turmzwiebelhelme rekonstruiert. 

Durch Naturkatastrophen, Kriege und Brände erlitt der Markt mehrmals schwere Schäden, u.a. 1529 durch die Osmanen, 1849 durch einen Großbrand und durch die Kämpfe in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs.

Durch die Eröffnung der Semmeringbahn 1854 und den Ausbau der Semmeringstraße verlor Schottwien seine einst bedeutende zentralörtliche Funktion als Verkehrsknotenpunkt am Beginn bzw. Ende der beschwerlichen Passstraße. Seit dem Bau der Schottwien-Brücke, eine über 130 Meter hohe Spannbetonbrücke mit einer Spannweite von 220 Metern, liegt der Markt abseits des Durchzugsverkehrs über den Semmering.