Weißenkirchen in der Wachau


Gemeinde Weißenkirchen in der Wachau

Ortsgeschichte

Weißenkirchen bildet mit den Winzerdörfern Joching, Wösendorf und St. Michael das Zentrum der Wachauer Weinbaugemeinden und ist damit ein wesentlicher Teil der niederösterreichischen Weinkultur.

Die traditionsreiche Gemeinde hat eine bis in die Steinzeit zurückreichende Siedlungstradition. Seit dem frühen Mittelalter lebte die Bevölkerung vom Weinbau und versorgte vor allem Bistümer und Klöster mit Wein. Großen Weingartenbesitz hatten seit Anfang des 9. Jahrhunderts die Bistümer Freising und Passau, aber auch die Klöster Tegernsee und Niederaltaich waren mit ihren Lesehöfen hier vertreten. Mitte des 12. Jahrhunderts kam die Bezeichnung "Wachau" (Wachowa, Wachowe) als Name des Donautals vom Mießlingbach bis zum Watstein oberhalb Dürnsteins auf. Schon damals war Weißenkirchen der Hauptort der Gemeinde "Wachau" oder "Tal Wachau", die aus Weißenkirchen, St. Michael, Wösendorf und Joching bestand, und wurde selbst oft auch als Wachau im engeren Sinn  bezeichnet. Diese Gemeinde hatte bis 1839 in Weißenkirchen einen eigenen Magistrat. Herren des "Tals Wachau" waren die Kuenringer. Der Name Weißenkirchen tauchte erstmals 1301 auf. 1459 erhob Kaiser Friedrich III. den Ort zum Markt und bestätigte dessen Freiheiten, wenige Jahrzehnte später verlieh ihm sein Sohn Maximilian I. ein Wappen (1493).

Die imposante Wehrkirche entstand Ende des 12. Jahrhunderts (1190), ihre Befestigungsanlage wurde 1531 auf Befehl von König Ferdinand I. mit Türmen, Wall und Graben zum Schutz gegen die Osmanen ausgebaut. Die Kirche gehörte jahrhundertelang zur Pfarre St. Michael und wurde erst 1632 zur Pfarrkirche erhoben.

In der Reformationszeit war die Bevölkerung mehrheitlich evangelisch, seit etwa 1540 gab es lutherische Prädikanten im Ort. Als die Prediger 1624 den Ort verlassen mussten, wanderten 40 Bürger mit ihnen aus. Schwere Belastungen erlebte Weißenkirchen durch die Besetzung während des Bauernauftstands 1596/1597 sowie durch Plünderung und Verwüstung schwedischer Truppen am Ende des Dreißigjährigen Krieges (1645). In den Napoleonischen Kriegen wurde der Ort zum Ausgangspunkt für die Schlacht von Loiben (1805), da Marschall Mortier mit der französischen Armee von hier aus donauabwärts zog und nach seiner Niederlage wieder nach Weißenkirchen floh.

Im 19. Jahrhundert wurde der malerische Ort zu einem der beliebtesten Motive der Wachaumaler (z. B. Simony, Zetsche, Geller), die zahlreiche Ansichten von Weißenkirchen schufen. Heute ist der Ort mit ca. 500 Hektar Rebfläche die größte Weinbaugemeinde in der Wachau. Kulturelles Zentrum ist der Teisenhoferhof, eine weitläufige, burgartig befestigte Anlage aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die nach seinem Erbauer Heinrich Teisenhofer benannt ist. Das hier untergebrachte Wachaumuseum präsentiert Kunst und Volkskultur der traditionsreichen Weinbaugegend.