Döllersheim


Gemeinde Pölla

Truppenübungsplatz Döllersheim - Allentsteig

Kurz nach dem Anschluss, noch im Frühjahr 1938, wurde entschieden, im Gebiet zwischen Döllersheim und Allentsteig einen Truppenübungsplatz zu errichten. Gründe waren einerseits die günstige militärische Lage zu Tschechien und andererseits die geringe Bonität der Böden. Zudem war das relativ ebene Gelände auch für großräumige Infanterie- und Panzerübungen geeignet. Am 20. Juni 1938 wurde die Ermächtigung zur Beschaffung des Landes und die Absiedlung der Bevölkerung erteilt.
Im Sommer 1938 wurde im Kernbereich - innerhalb der Orte Allentsteig, Mannshalm, Dietreichs-Döllersheim mit dem Zentrum in Groß-Poppen - mit der Entsiedlung begonnen. Gleichzeitig kam es zu Truppenkonzentrationen und ersten militärischen Übungen. Am 1. September musste der Dürnhof vom Stift Zwettl an das Militär abgegeben werden.
Während der ersten Entsiedlungsetappe konnten die Bewohner noch relativ gut untergebracht werden, allerdings war die Integration in die neue Umgebung oft schwierig und viele Umsiedler starben bald nach der Übersiedlung.
Eine zweite Ausbauphase des Truppenübungsplatzes erfolgte im Sommer 1939 mit Entsiedlung der Orte Edelbach, Mestreichs, Äpfel-Gschwendt und dem Gebiet bei Göpfritz an der Wild. Die dritte, westliche Zone wurde ab dem folgenden Jahr geräumt. Neben der Räumung wurden im Gebiet von Allentsteig und der Stadt Zwettl Häuser für die Wehrmachtsangehörigen gebaut.
Am 31. März 1941 fand die Entsiedlung ihren Abschluss. 1389 Gebäude und Gehöfte fielen ihr zum Opfer, etwa 6000 Menschen wurden ausgesiedelt. Mit der Bildung des Heeresgutbezirks Döllersheim am 1. April 1941 wurden die entsiedelten Gebiete aus ihren Gemeinden ausgegliedert, was durch Auflösung etlicher Gemeinden eine völlige Veränderung der Gemeindestruktur des Raumes bedeutete.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war eine Wiederbesiedlung des Truppenübungsplatzes geplant. Am 15. August 1945 fasste die Provisorische Regierung einen entsprechenden Beschluss und in Zwettl konstituierte sich eine Überprüfungskommission zur Wiederbesiedlung des Gebietes. In der Zwischenzeit hatten sich aber die sowjetischen Besatzungstruppen im Übungsgelände einquartiert. 1946 ging das Gebiet in den Besitz der Sowjetunion über und wurde in der Folgezeit vor allem zur Gewinnung von Baumaterial genutzt. Ganze Ortschaften wurden niedergerissen und das Material an Einheimische verkauft, was zur endgültigen Zerstörung der Siedlungsstruktur führte.
Zu weiteren Entsiedlungen kam es nach 1945 durch die Errichtung des Kamptalkraftwerkes Ottenstein, wie in Pötzles und Flachau, da durch die Stauseen die noch offenen Zufahrtsstraßen überflutet wurden. Viele der damals rund 7000 entsiedelten Waldviertler erhielten keine Entschädigung.
Nach 1955 war die Instandsetzung der Häuser und des Wegenetzes nicht mehr möglich. Das Areal wurde 1957 dem Kommando der 3. Brigade übergeben und nun systematisch entmint. Für die wirtschaftliche Nutzung wurde eine Heeresforst- bzw. Heereslandwirtschaftsverwaltung eingerichtet. Mit 20. Juni 1958 wurde ein eigenes Truppenübungsplatzkommando geschaffen und die Bezeichnung "Truppenübungsplatz Allentsteig" festgelegt.
(Quelle: Landeschronik Niederösterreich, 2. Aufl. 1994, S. 375 u. 404)